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Sigrid Nolda

Diskurs

In der Literatur zur EB wird der Begriff D. vornehmlich in zwei Bedeutungen verwendet: Zum einen wird auf den D.begriff von J. Habermas zurückgegriffen. Hier geht es um die Begründung und Reflexion von Normen und deren Geltung im Medium eines herrschaftsfreien Dialogs. Zum anderen ist eine Beeinflussung durch das französische, von M. Foucault (1971) geprägte D.konzept nachweisbar. Dieses hebt die Abhängigkeit der Individuen von Beschränkungen dessen, was und wie etwas gesagt werden kann, hervor, aber auch deren aktive Rolle als Machtausübende und gegenüber der (diskursiven) Macht Opponierende. Neben diesen beiden D.begriffen bzw. -konzepten wird der Terminus in der englischsprachigen (oder von dieser geprägten) linguistischen Literatur allgemeiner als „language in use“ definiert.

Habermas^' „Theorie des kommunikativen Handelns“ (1981) ist schon bald nach Erscheinen des Textes in der EB rezipiert und als Hintergrund für das Ziel der diskursiven Verständigung genutzt worden. Diese besteht aus dem Aufheben von Selbstverständlichkeiten und dem Aufstellen strittiger Geltungsansprüche, einem Prozess der Argumentation und dem Ziel des begründeten Einverständnisses. Damit ist Verständigung anders als erfolgsorientiertes Handeln mit rationalem → Lernen verbunden. Die Idee der diskursiven Verständigung geht – was von ihren Kritikern oft übersehen wird – bewusst von drei Fiktionen aus: der relativen Unabhängigkeit der Lernsituation, der uneingeschränkten Transparenz der Kommunikation und der → Autonomie der Handelnden. Nur über eine Unterstellung dieser Fiktionen ist Verständigung möglich.

Während der D.begriff von Habermas eher mit den ethischen ( → Ethik) Zielen von EB verbunden ist und damit eine utopische Dimension aufweist, ist der D.begriff der französischen Schule gerade auch für empirische Studien geeignet, die die jeweilige Realität der die EB kennzeichnenden D. bzw. die durch D. hergestellte Realität der EB erfassen wollen. Konkrete methodologische Anregungen stellt u.a. die v.a. im englischsprachigen Raum verbreitete „critical discourse analysis“ bereit, die die gegenseitige Beeinflussung von Sprache und sozialer Struktur untersucht (Fairclough 1992).

Der von Foucault benutzte D.begriff verbindet diesen unlöslich mit den Begriff → Wissen und Macht: D. produzieren demzufolge Wissen, und Wissen ist das, wovon man in einer diskursiven Praxis sprechen kann. D. bestimmen, worüber zu einem gegebenen Zeitpunkt in einer gegebenen gesellschaftlichen Formation gesprochen werden kann. Auf der Basis dieser Überlegung ist davon auszugehen, dass innerhalb der öffentlich verantworteten EB die D. (re-)produziert werden, die „gängig“ sind, dass diese Form der EB sich mit ihrem Bekenntnis zum → Pluralismus aber von anderen Subsystemen und Bildungssektoren dadurch unterscheidet, dass sie eine Vielfalt (wenn auch nicht das Gesamt) an bestehenden D. zulässt. Der „Wertepluralismus“ der gegenwärtigen öffentlichen EB schließt z.B. den expliziten faschistischen, rassistischen oder (männlich) chauvinistischen D. aus (Nolda 1996).

Neben den in → Veranstaltungen der EB praktizierten D. muss eine reflexive → Erwachsenenbildungswissenschaft aber auch ihre eigenen bzw. die auf ihren Gegenstand bezogenen D. wahrnehmen und analysieren. Dazu gehören vor allem die politischen und die wissenschaftlichen D. sowie die davon beeinflussten D. der praktisch in der EB Tätigen (vgl. zum Begriff des → „lebenslangen selbstgesteuerten Lernens“ Forneck/Wrana 2005 oder zum Begriff → „Kompetenz“ Haeske 2007). Dabei geht es nicht darum, die Wirklichkeit hinter den D. aufzudecken, sondern diese in ihren Entstehungsbedingungen und ihrer Bindungswirkung zu beschreiben.

Literatur

  • Fairclough, N.: Discourse and Social Change. Cambridge 1992

  • Forneck, H.J./Wrana, D.: Ein parzelliertes Feld. Eine Einführung in die Erwachsenenbildung. Bielefeld 2005

  • Habermas, J.: Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt a.M. 1981

  • Haeske, U.: „Kompetenz“ im Diskurs. Eine Diskursanalyse des Kompetenzdiskurses. Bielefeld 2007

  • Nolda, S.: Interaktion und Wissen. Eine qualitative Studie zum Lehr-/Lernverhalten in Veranstaltungen der allgemeinen Erwachsenenbildung. Frankfurt a.M. 1996

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt