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Markus Lermen & Henning Pätzold

E-Learning

Der Einsatz von → Medien in Lehr-Lernprozessen ist in den letzten Jahren u.a. aufgrund der technologischen Entwicklung größeren Veränderungen unterworfen. Insbesondere den digitalen bzw. interaktiven Medien wird innerhalb der mediendidaktischen Diskussion ein großes Potenzial zugesprochen, Lehr- und Lernprozesse zu optimieren. Dabei lässt sich feststellen, dass der Einsatz der sog. Neuen Medien in Unterrichtssituationen von einer wachsenden Anzahl unterschiedlicher Begriffsdefinitionen und oft kurzlebiger Wortschöpfungen begleitet wird. Als gebräuchlicher und derzeit die Fachdiskussion dominierender Begriff im Zusammenhang mit der Integration von digitalen Medien in Lehr-Lernprozessen hat sich der Terminus „E-Learning“ durchgesetzt.

Medien

Beim Begriff „Medien“ handelt es sich um einen ausgesprochen vielseitig verwendeten Begriff, der je nach Zielsetzung und Begründungszusammenhang unterschiedlich konkretisiert wird. Die Konkretisierungen reichen von der systemtheoretischen Beschreibung von Medien als „lose Koppelung massenhaft vorkommender Elemente“ (Luhmann 2002) bis zur kommunikationsorientierten Definition von Medien als Mittler, die potenzielle Zeichen speichern, darstellen, transportieren oder anordnen (Tulodziecki/Herzig 2004). In der Medienpädagogik wird weiter nach Gesamtmedien (etwa dem Computer), Medienarten (beispielsweise Tonmedien oder Bildmedien), Medienformen (beispielsweise Softwarearten oder Sendeformate im Fernsehen) und medialen Produkten (etwa einer bestimmten Lernsoftware) unterschieden. In Bezug auf den Einsatz von Medien in formellen Lehr-Lernsettings, im Besonderen in schulischen Lehr-Lernprozessen, aber auch im Bereich der EB, hat sich der Begriff „Unterrichtsmedien“ etabliert. Dieser kann in die zwei Bereiche „didaktische“ und „publizistische“ Medien differenziert werden. Unter didaktischen Gesichtspunkten werden Medien als technische Hilfsmittel zur Verbesserung von Lehr-Lernsituationen verstanden. Im Gegensatz dazu beinhaltet ein publizistisches Medienverständnis die Betrachtung von Medien als Programm- oder Massenmedien (z.B. Tageszeitungen oder Nachrichtensendungen). Publizistische Medien sind nicht originär für Lehr-Lernprozesse vorgesehen, können aber auch dafür genutzt werden.

E-Learning

Entsprechend dieser Begrifflichkeit beinhaltet E. den Einsatz des Gesamtmediums Computer mittels der Medienarten Bild, Ton und Text und in der Regel unter Verwendung von spezifischen Medienformen, z.B. Learning-Management-Systemen. Dabei können ebenso für einen bestimmten didaktischen Zweck erstellte Unterrichtsmedien zum Einsatz kommen wie die weiten Bereiche des World Wide Web, die als publizistische Medien aufzufassen sind. Mit der Nutzung des Computers ist klar, dass E. in medientechnischer Hinsicht auf die Verwendung digitaler Medien fokussiert ist, auch wenn andere Medien als zusätzliche Lernressourcen oft ebenso eine Rolle spielen. Namensgebendes Kennzeichen ist die elektronische (bzw. digitale) Bereitstellung der Lerninhalte sowie begleitende Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten. Nach diesem Verständnis ist die Bezeichnung E-„Learning“ allerdings irreführend: Aus didaktischer Perspektive steht nicht der Lernvorgang im Vordergrund, sondern vielmehr die Lehr- oder Instruktionsmethode, so dass mitunter auch der Begriff „E-Teaching“ verwendet wird.

E. beinhaltet eine breite Palette an Angeboten zur Realisierung von mediengestützten Lehr- und Lernformen. Typische Anwendungsfelder sind computerunterstützte Lernsysteme, die offline (CD-Rom, DVD) oder online (Internet) angeboten werden. Zu den Unterkategorien zählen u.a. die Konzepte computerunterstützten oder webbasierten Lehrens (CBT, WBT), Online-Lernen, virtuelles Lernen etc. ebenso wie neuere Konzepte, z.B. Enhanced Learning oder Mobile Learning. Generell umfasst E. die verschiedenen Arten von Lernsoftware, welche sich – idealtypisch – in mehrere Kategorien differenzieren lassen. Eine gebräuchliche Typisierung ist die Unterteilung in Drill-and-Practice-Programme, tutorielle Programme (adaptive Programme, intelligente tutorielle Systeme), Hypertext und Hypermedia, Simulationen und Mikrowelten sowie interaktive Lernumgebungen (u.a. Weidenmann 2006).

Hinsichtlich des Einsatzes computerbasierter Medien in Lehr-Lernarrangements lässt sich seit Anfang der 1980er Jahre ein technologischer Trend beobachten, welcher von stationären Stand-alone-Systemen (z.B. CBT) über webbasierte E.-Systeme (WBT) bis zu Mobile-Learning-Varianten reicht und mit einer Zunahme der technischen Komplexität verbunden ist (de Witt/Czerwionka 2007). Vor diesem Hintergrund wird in neueren Konzeptionen dem kooperativen Lernen im Rahmen von E.-Arrangements eine große Bedeutung zugeschrieben. Neben dem kooperativen Lernen werden als wesentliche Vorteile des E. die Orts- und Zeitunabhängigkeit und die damit zusammenhängenden Potenziale der Individualisierung und Flexibilisierung von Lernmöglichkeiten gesehen.

Synonym für E. wird mitunter der Begriff des „virtuellen Lernens“ (oder Lehrens) verwendet. Der Begriff der „Virtualität“ bezieht sich auf Simulationen mithilfe von Computer- und Internettechnologien, in welchen die Lernorte, -situationen und -partner nur mittels der Medien erfahrbar werden. Auch wenn die virtuelle Realität lediglich ein mithilfe der digitalen Medien geschaffenes Abbild der Wirklichkeit darstellt, können Interaktionen und Lernprozesse in der realen Welt zustande kommen. Die Bezeichnung virtuell erscheint allerdings im Zusammenhang mit E. eher als eine „Durchgangsmetapher“ – in dem Maße, in dem etwa elektronische Kommunikations- und Interaktionsformen zur Gewohnheit werden, verschwindet die spezifische Anschauung dieser Formen als „Virtualität“.

Blended Learning

Aufgrund der Erfahrungen mit „reinen“ E.-Lösungen wurde von verschiedenen Seiten Kritik am Konzept der vollständigen Ablösung und Ersetzung von klassischen Präsenzangeboten durch E. geäußert und ein Einbezug traditioneller Formen der Präsenzlehre gefordert. In den vergangenen Jahren hat sich in diesem Sinne als Erweiterung bisheriger E.-Lösungen das Konzept des „Blended Learning“ bzw. „hybriden Lernens“ als dominierender Trend etabliert. Blended-Learning-Arrangements beinhalten die Kombination aus traditionellen Lehr-Lernarrangements (z.B. Präsenzunterricht) und elektronischen Lernarrangements auf der Basis neuer und klassischer Medien (z.B. Studienbriefe). Die verschiedenen Elemente sollen dabei möglichst optimal in einem didaktisch sinnvollen Arrangement miteinander kombiniert werden, wobei die jeweiligen Stärken der einzelnen Bereiche (u.a. soziale Aspekte des gemeinsamen Lernens oder zeitliche Flexibilität) ausgeschöpft und Synergieeffekte geschaffen werden sollen. „Reine“ E.-Arrangements werden inzwischen nur noch dann als sinnvolle Alternative gesehen, wenn die Vermittlung von Informationen im Vordergrund steht (Sauter/Sauter/Bender 2004) oder reale Begegnungen etwa aus zeitlichen und räumlichen Gründen nicht realisierbar sind. Dies ist vor dem Hintergrund der Erfahrungen der letzten Jahre zu sehen, die vielfach gezeigt haben, dass sich nicht jedes Thema für das Lernen mittels einzelner Medien eignet (Bates 2000).

Blended Learning (vom englischen to blend für „vermischen“ abgeleitet) stellt ein integriertes Lernkonzept dar, welches die Koppelung von didaktischen Elementen des E. mit traditionellen Lernmethoden bzw. Präsenzunterricht beinhaltet und auf die Nutzung verschiedener Lern- und Sozialformen sowie verschiedener Medien in einem auf die entsprechende Zielgruppe abgestimmten Medienportfolio abzielt. Damit knüpft es an ältere Medienkonzepte wie beispielsweise das Verbundlernen an. Charakteristisches Merkmal ist die Kombination von Präsenz- und Online-Lernen, während E.-Lösungen lediglich Lern- und Lehrformen beinhalten, die ausschließlich auf der Nutzung neuer bzw. digitaler Medien beruhen. Die Abläufe und Strukturen können im Blended Learning sehr variabel gestaltet werden. Ein typisches Beispiel ist die Sandwich-Struktur, bestehend aus einer einführenden Präsenzphase („Face-to-face“-Veranstaltung) zum gegenseitigen Kennenlernen der Teilnehmenden, einer anschließenden Online-Phase mit adressatengerechten, kooperativ zu bearbeitenden und curricular relevanten Lernaufgaben sowie einer abschließenden Präsenzphase, in welcher die Ergebnisse der zuvor bearbeiteten Aufgaben präsentiert und besprochen werden.

Im Hinblick auf die didaktische Fundierung haben sich im Bereich des E. und Blended Learning Konzeptionen durchgesetzt, welche einen Wechsel von der Instruktion zur Konstruktion beinhalten und Anlehnungen an eine konstruktivistische Vorstellung von Lehren und Lernen beinhalten, wie sie beispielsweise in der → Ermöglichungsdidaktik thematisiert werden. Insbesondere Ansätze eines situierten und problembasierten Lernens können verstärkt mit entsprechenden Lernarrangements realisiert werden. Insgesamt wird dem Einsatz digitaler Medien ein hohes Potenzial zugesprochen, die → Selbstorganisation und Selbststeuerung von Lernprozessen sowie im Hinblick auf den erwachsenenpädagogischen Diskurs das → Lebenslange Lernen zu unterstützen.

Das zentrale Medium von E. und Blended-Learning-Arrangements ist heute in der Regel das Internet, welches vor allem als Distributionsmedium für unterschiedliche Lernressourcen genutzt wird und ein orts- sowie zeitflexibles Lernen für unterschiedliche Zielgruppen ermöglicht. Gleichzeitig bietet das Internet verschiedene Instrumente zur synchronen und asynchronen Interaktion, Kommunikation und Kooperation, welche u.a. im Bereich der EB für die Etablierung von virtuellen Lerngruppen genutzt werden. In der aktuellen Debatte werden diesbezüglich die Veränderungen des Web 2.0 thematisiert, welche auf eine Mitgestaltung des Netzes durch die Nutzenden und eine verstärkte Hinwendung zu Social-Software-Systemen ausgerichtet sind. Unter dem Schlagwort „social software“ werden dabei Softwaresysteme zur Vereinfachung und Unterstützung von Kommunikations- und Kooperationsprozessen über das Internet verstanden.

Sowohl E. als auch Blended Learning beinhalten Anknüpfungspunkte an das → Fernstudium bzw. den → Fernunterricht und können als konsequente Fortführungen der Entwicklung in diesem Bereich angesehen werden. Mit dem Einsatz neuer Technologien wird es oft einfacher, für räumlich getrennt und oft asynchron Lernende Räume der gemeinsamen themenbezogenen Kommunikation zu schaffen. Darüber hinaus erweitern sie die Möglichkeiten der Präsentation von Inhalten, etwa indem Tondokumente, audiovisuelles Material oder Simulationsprogramme leicht zugänglich gemacht werden können. Schließlich erweitern sie die Möglichkeiten der Kommunikation und Betreuung zwischen Fernstudierenden und Anbietern.

Literatur

  • Arnold, R./Lermen, M. (Hrsg.): eLearning-Didaktik. Baltmannsweiler 2006

  • Bates, T.: Managing Technological Change. San Francisco 2000

  • De Witt, C./Czerwionka, T.: Mediendidaktik. Bielefeld 2007

  • Hüther, J./Schorb, B. (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik. 4., vollst. neu konzip. Aufl. München 2005

  • Luhmann, N.: Einführung in die Systemtheorie. Heidelberg 2002

  • Rosenberg, M.J.: E-Learning: Strategies for Delivering Knowledge in the Digital Age. New York u.a. 2001

  • Sauter, A.M./Sauter, W./Bender, H.: Blended Learning: effiziente Integration von E-Learning und Präsenztraining. Unterschleißheim/München 2004

  • Tulodziecki, G./Herzig, B.: Mediendidaktik. Stuttgart 2004

  • Weidenmann, B.: Lernen mit Medien. In: Krapp, A./Weidenmann, B. (Hrsg.): Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch. 5., vollst. überarb. Aufl. Weinheim 2006

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt