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Michael Jagenlauf

Erlebnispädagogik

Erlebnispädagogische Ansätze und → Programme haben vor allem seit 1980 einen beachtlichen Aufschwung erfahren; mehrere Zeitschriften, eine eigene Fachmesse, zahlreiche Kongresse und eine kaum noch überschaubare Literatur verbreiten und vertiefen ihre Absichten, Konzepte und Methoden. Mit E. werden im Allgemeinen teilweise gleichgesetzt oder assoziiert: Wanderpädagogik, Outdoor-Pädagogik, Outdoor-Training, Abenteuerpädagogik, → handlungsorientierte Didaktik, Experimental Learning, Survival Training, Wilderness Experience, Outdoor Development, Erfahrungspädagogik ( → Erfahrungsorientierung), Challenge Programm, Outward-Bound-Pädagogik, Learning by Doing, Adventure Programming u.a.m.

Allen Ansätzen gemeinsam sind drei Momente: individuell-subjektives, nur begrenzt organisierbares Erleben und Erfahren im Rahmen (überwiegend) gruppenbezogener Aktivitäten in (mitunter auch extremen) Naturräumen (Outdoor). Die dabei intensiv „erlebten“ Erfahrungen fördern die Fähigkeiten Jugendlicher und Erwachsener, bisheriges Verhalten, wie z.B. Sozialkompetenz ( → Kompetenz), Initiative, Ausdauer, → Kreativität, zu reflektieren, neue Verhaltensweisen zu erproben und diese in den Alltag zu übertragen. Persönlichkeitsbildung durch E. ist das Ziel fast aller einschlägigen Kurzzeitangebote (Kurse, Trainings) und Langzeitangebote (Einzelfallhilfen, Heimbetreuung, Internate).

Aufbauend auf Gedanken von J.J. Rousseau (1712-1778), H. Thoreau (1817-1862), J. Dewey (1859-1952) und der deutschen Reformpädagogik konzipierte Kurt Hahn (1886-1974, Gründer der Internatsschule Salem) in den 1940er Jahren die sog. Outward-Bound-Elemente: körperliches Training (Fitness), Rettungsdienst (Anteilnahme), Projekt (Genauigkeit, Sorgfalt) und Expedition (Initiative, Ausdauer), die auch heute noch das Grundgerüst erlebnispädagogischer Kurse darstellen. Die Gründe für den außerordentlichen Boom der E. sind vielfältig: Ablösung des traditionellen seminaristischen Lernens durch handlungsorientierte Konzepte ( → Projektlernen, Leittextmethode, Spiele), Erlebnis- und Outdoor-Orientierung in vielen Lebensbereichen, Zunahme ökologischer Sensibilität, Vordringen ganzheitlicher Ansätze in der Bildungsarbeit, Übernahme der „new games“ in die Pädagogik und in den Sport und nicht zuletzt die z.T. spektakulären Events und Aktivitäten in Führungskräftetrainings.

Die Wirkungen von E. sind in den USA, in Großbritannien und auch in Deutschland mannigfach evaluiert worden, am grundsätzlichen Erfolg von E. besteht kaum ein Zweifel mehr; sie können erklärt werden u.a. durch: Lernen durch Erfolg (Feedback im Rahmen von Reflexion), aktive Hilfe bei Problembewältigungen (durch den Teamer), Identitätsstärkung durch intensive Erlebnisse, Lernen am Modell (Trainer), Steigerung der Selbstwirksamkeit durch sog. Mastery-Effekte, bewussteres Handeln im Lichte von getroffenen Zielen und Vereinbarungen. Im Brennpunkt der Diskussion stehen Fragen der Anwendung und Verbreitung der E., wirkungsvoller Methoden und neuer Formen der Transferreflexion als Bestandteil jeder Aktion. So wird derzeit diskutiert, inwieweit die Transfereffekte z.B. durch eine Ausrichtung an Metaphern (Beispiel: „Wir sitzen alle in einem Boot!“ als Motto für ein Training) noch gesteigert werden können. Kritik erfährt die E. zum Teil aus ökologischer oder aus pädagogischer Sicht, indem ihr vorgeworfen wird, Natur lediglich als Mittel zum Zweck zu missbrauchen bzw. einem übertriebenen Aktionismus und einer zu starken Orientierung an männlichen Idealen (Abenteuer, Leistung) zu huldigen.

Bevorzugte Aktionen im Rahmen der E. sind: Segeln, Kanufahren, Trekking und Expeditionen, Skitouren, Höhlenfahrten, Schlauchboot- und Floßfahrten sowie zahlreiche sog. Interaktions-, Initiativ- und Problemlösungsspiele. Fast alle Kurse oder Trainings folgen den Sequenzen: Einstieg, gemeinsame Planung und Vereinbarungen (Ziele, Sicherheit u.a.), Durchführung bzw. Übung sowie Transferreflexion (back home).

Über die außerschulische Jugendarbeit hinaus findet die E. mittlerweile Anwendungen in der → Gesundheitsbildung, in der ökologischen Bildung, in → Angeboten der personorientierten Bildungsarbeit ( → Selbsterfahrung), in der → Familienbildung (gemeinsames Erleben), im Fremdsprachentraining (durch besonders kommunikationsintensive Interaktionsspiele in fremder Sprache), in der → kulturellen Bildung (z.B. „Mit Goethe auf den Brocken“), ferner in der Ausbildung von Azubis (z.B. „Wir wollen ein Team werden!“), zunehmend in der (schulinternen) Lehrerfortbildung, in der WB für Führungskräfte sowie ebenfalls zunehmend in der interkulturellen Bildungsarbeit (Verständigung über Interaktionen), in der Kompetenzentwicklung (Outdoor-Pädagogik als Kompetenzanalyse) sowie verstärkt in verschiedenen Therapieprogrammen.

Literatur

  • Heckmair, B./Michl, W.: Erleben und Lernen – Einführung in die Erlebnispädagogik. 6. Aufl. München 2008

  • Kölsch, H./Wagner, F.J.: Erlebnispädagogik in der Natur. 2. Aufl. München 2004

  • Schad, N./Michl, W.: Outdoor-Training. 2. Aufl. München 2004

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt