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Rolf Arnold

Ermöglichungsdidaktik

Mit dem Begriff E. wird ein Verständnis des Lehr-Lernprozesses charakterisiert, das um dessen Eigendynamik und die begrenzte „Machbarkeit“ von Lernergebnissen weiß. Anders als erzeugungsdidaktische Konzepte geht die E. nicht davon aus, dass durch eine möglichst exakte Lernzielbestimmung ( → Lehr-/Lernziele) und eine möglichst detaillierte Lernplanung Lernerfolge gewährleistet werden können. Im Anschluss an neuere kognitionstheoretische sowie konstruktivistische Konzepte werden die erwachsenen Lernenden vielmehr als relativ geschlossene, selbstorganisierte Systeme verstanden, deren Entwicklung (z.B. durch → Lernen) zwar durch externe Inputs angeregt, aber nicht determiniert werden kann. Professionelle Lehr-Lernarrangements können demnach individuelle Aneignung ( → Aneignung – Vermittlung) von Neuem sowie eine Weiterentwicklung von → Kognition und → Kompetenz ermöglichen, sie können aber nicht wie bei einer Trivialmaschine bestimmte Lernergebnisse erzeugen.

Während die Lernziel- und Curriculumtheorien ( → Curriculum) der 1970er Jahre, die auch Einzug in die EB hielten, eher dazu beitrugen, dass Vorstellungen einer Ingenieurslogik auch für die → Professionalität und → Didaktik der EB eine gewisse Leitfunktion erhielten, besinnt man sich seit den 1980er Jahren wieder stärker auf den Bildungsbegriff ( → Bildung) und die Professionskonzepte der geisteswissenschaftlichen Pädagogik – wenn auch in sozialwissenschaftlicher Reformulierung. Diese können heute allerdings systemtheoretisch sehr viel präziser gefasst werden. Sprach E. Spranger von den „ungewollten Nebenfolgen“ und wies damit auf die nur begrenzte Beherrschbarkeit von Bildungs- und Lernprozessen als Problem hin, so erhebt die systemtheoretisch inspirierte E. diese Kontingenz selbst zum Programm: Nachhaltig und transformierend ist ein Erwachsenenlernen nur, wenn es die Lernenden nicht nach einem geplanten Konzept zu „belehren“ trachtet, sondern wenn es ihnen die Möglichkeit gibt, aktiv, selbstorganisiert bzw. selbstgesteuert, konstruktiv und situiert (auf ihre Lebenssituation bezogen) eigene Lernprozesse zu realisieren ( → Selbstorganisation, → Konstruktivismus).

Insbesondere die Reformpädagogik hat bereits wichtige Anregungen und Vorarbeiten für die Entwicklung ermöglichungsdidaktischer Konzepte geliefert. So verbirgt sich z.B. hinter der in den 1920er Jahren propagierten Erwachsenenbildungsmethode der → Arbeitsgemeinschaft auch eine Didaktik, die versucht, weitgehend ohne didaktische „Erzeugung“ auszukommen. Erwachsene sollen vielmehr Gelegenheit erhalten, in der Begegnung mit anderen kooperativ voneinander zu lernen. Durch die im Umfeld der humanistischen Psychologie von R. Cohn und C. Rogers entstandenen → Methoden eines lebendigen oder signifikanten Lernens hat sich das ermöglichungsdidaktische Methodenarsenal der EB in diesem Jh. erheblich erweitert. Damit diese Methoden wirksam werden und auch in den → Einrichtungen der EB eine Kultur des selbstgesteuerten Lernens möglich wird, ist es allerdings notwendig, dass sich die Professionals ( → Professionalität) selbst von ihrer Rolle als im Zentrum des Geschehens stehende „Macher“ lösen und Lerngelegenheiten schaffen, in denen erwachsene Lernende selbstgesteuert lernen, dabei ihre eigenen Lernmethoden verfeinern und so ein Vertrauen in ihre eigenen Kräfte entwickeln können. Erwachsenenpädagogisches Personal, das solche Lernprozesse begleitet, hat mit den Dozent/inn/en oder Referent/inn/en ( → Kursleitenden) traditioneller Prägung nur noch wenig gemeinsam. Es ist vielmehr auf die Rolle eines Lernarrangeurs, eines Lernberaters ( → Beratung) oder Coachs für die Lernenden verwiesen und spielt damit die Rolle eines „facilitators“ (Ermöglichers) im Sinne von C. Rogers. Eine solche E. schafft somit wesentliche Voraussetzungen für die Fähigkeit zum → lebenslangen Lernen des Einzelnen und der → Gesellschaft.

Literatur

  • Adam, E.: Das Subjekt in der Didaktik. Ein Beitrag zur kritischen Reflexion von Paradigmen der Thematisierung von Unterricht. Weinheim 1988

  • Arnold, R.: Ich lerne, also bin ich. Eine systemisch-konstruktivistische Didaktik. Heidelberg 2007

  • Arnold, R./Gómez Tutor, C.: Grundlinien einer Ermöglichungsdidaktik. Bildung ermöglichen – Vielfalt gestalten. Augsburg 2007

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Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt