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Reinhard Stockmann

Evaluation

E. steht nicht nur für ein spezifisches Handeln, das die Gewinnung von Informationen und deren Bewertung zum Ziel hat, sondern auch für das Ergebnis dieses Prozesses. Mithilfe von E. können sowohl die Prozesse der Planung und Steuerung als auch die erbrachten Leistungen („outputs“), die erreichten Ziele („outcomes“) und die verursachten Wirkungen („impacts“) überprüft und bewertet werden.

Im wissenschaftlichen Kontext (und davon unterscheidet sich E. im Alltagshandeln) werden empirische Methoden zur Informationsgewinnung und systematische Verfahren zur Informationsbewertung anhand offengelegter Kriterien verwendet, die eine intersubjektive Nachprüfbarkeit möglich machen. E. stellen im Unterschied zur fachbezogenen wissenschaftlichen Forschung keinen Selbstzweck dar. Sie sind nicht dem puren Erkenntnisinteresse verpflichtet, sondern sollen einen Nutzen stiften und dazu beitragen, Prozesse transparent zu machen, Wirkungen zu dokumentieren und Zusammenhänge aufzuzeigen, um letztlich Entscheidungen treffen zu können.

Die Bewertung der evaluierten Sachverhalte richtet sich allerdings nicht nach vorgegebenen Normen (wie z.B. bei ISO) oder Parametern (wie z.B. bei EFQM), sondern nach Kriterien, die sehr verschieden sein können. Diese orientieren sich sehr oft am Nutzen eines Gegenstands, Sachverhalts oder Entwicklungsprozesses für bestimmte Personen oder Gruppen. Die Bewertungskriterien können durch den Auftraggeber einer E., durch die → Zielgruppe, beteiligte Interessengruppen („stakeholder“), durch den Evaluator selbst oder durch alle gemeinsam festgelegt werden. Es liegt auf der Hand, dass je nach Kriterienauswahl die Nutzenbewertung in einer E. sehr unterschiedlich ausfallen kann. Dabei kommt es nicht nur darauf an, wer die Bewertungskriterien erstellt, sondern auch, zu welchem Zweck die E. verwendet werden soll (welche Funktion sie haben soll), welche Aufgaben sie erfüllen soll (auf welche Programmphase sie sich richtet, welche Analyseperspektive sie einnimmt, was für ein Erkenntnisinteresse sie verfolgt), wie sie durchgeführt wird (welches Untersuchungsparadigma ihr zugrunde liegt und welche Methoden angewendet werden) und wer sie durchführt (die programmdurchführende Organisation selbst oder eine externe Stelle).

E. werden häufig zu dem Zweck durchgeführt, um Informationen für Entscheidungen im Rahmen von Steuerungs- und Managementprozessen zu beschaffen. Sie können im Prinzip vier miteinander verbundenen Funktionen dienen: dem Erkenntnisgewinn, der Kontrolle, der Entwicklung und der Legitimation. Gerade in Zeiten knapper Finanzmittel nimmt die Bedeutung von E. zu, da Programme und Maßnahmen oft zueinander im Wettbewerb stehen und Prioritäten gesetzt werden müssen. Anhand von Evaluationskriterien (z.B. Effektivität, Effizienz, Relevanz, Nachhaltigkeit etc.) können sie bewertet werden, um sie zu verbessern oder ihre Legitimität zu demonstrieren.

E. können intern durchgeführt werden, wenn sie von der gleichen Organisation vorgenommen werden, die auch das Programm durchführt, oder extern, wenn sie von Personen erbracht werden, die nicht dem Mittelgeber oder der Durchführungsorganisation angehören.

E. werden häufig gleichgesetzt bzw. assoziiert mit: Erfolgs-, Qualitäts-, Wirkungskontrolle, Kosten-Nutzen-Analyse, Effizienzmessung, Bildungscontrolling, wissenschaftlicher Begleitung oder Kursbeurteilung. E. kann Elemente dieser Verfahren enthalten, ist aber davon abzugrenzen.

In der EB/WB wird E. häufig dazu verwendet, um Prozesse und Abläufe von Bildungsangeboten zu analysieren (Reichmann 2006); zu überprüfen, ob die intendierten (Lern-)Ziele erreicht wurden; wie zufrieden die Teilnehmenden mit Veranstaltungen sind; ob festgesetzte Qualitätskriterien erfüllt werden (z.B. für die Erlangung eines Gütesiegels oder für eine Zertifizierung); ob die intendierten Zielgruppen (z.B. sozial Benachteiligte) erreicht werden; ob Bildungsinnovationen die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen etc.

Um eine möglichst hohe Evaluationsqualität zu erreichen, sollen E. nützlich sein und realistisch und kostenbewusst, rechtlich und ethisch korrekt sowie wissenschaftlich genau durchgeführt werden. Hierfür hat die Gesellschaft für Evaluation (URL: www.degeval.de) entsprechende Standards entwickelt.

Literatur

  • Reischmann, J.: Weiterbildungs-Evaluation: Lernerfolge messbar machen. 2. Aufl. Augsburg 2006

  • Stockmann, R.: Evaluation und Qualitätsentwicklung. Münster 2006

  • Stockmann, R. (Hrsg.): Evaluationsforschung. Münster 2006

  • Stockmann, R. (Hrsg.): Handbuch zur Evaluation. Münster 2007

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt