Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Rolf Arnold

Evolutionstheorien

E. beinhalten Erklärungsansätze und Modelle zur Beschreibung der Entstehung und Entwicklung des Lebens. Während die E. von Charles Darwin → Entwicklung als historische Selektion von Möglichkeiten („survival of the fittest“) beschrieb, konzentrieren sich die neueren E. auf die genauere Analyse der dabei wirkenden Prinzipien. Chaostheorien sowie neuere System- und Selbstorganisationstheorien ( → Selbstorganisation) fokussieren dabei auf drei Wirkprinzipien, die Evolution auslegen und gestalten: Erstens → Kreativität führt zu Komplexität; zweitens Musterbildung durch Vernetzung und drittens Evolution durch Selbstorganisation.

Zu erstens: Die neueren E. betrachten Natur und Lebendiges nicht mehr als Ansammlung fundamentaler Eigenschaften, sondern als ein dynamisches Gewebe von Geweben, die ihrerseits innerlich zusammenhängen. Diese Gewebe entwickeln sich durch die Kreativität der Natur, die ständig in der Lage ist, Neues hervorzubringen, wobei man davon ausgeht, dass genau dies das Ziel der Natur ist, nämlich möglichst komplex zu werden. Die Evolution schaukelt sich sozusagen zu immer komplexeren Formen der Vernetzung und des Zusammenwirkens vernetzter Systeme empor.

Zu zweitens: Durch die Vernetzung der vielfältigen Teile und Beziehungen von Systemen entstehen komplexe Muster. Evolution kann deshalb nur angemessen beschrieben werden, wenn man sich nicht länger nur ausgewählten Aspekten dieser komplexen Zusammenhänge zuwendet, sondern versucht, das sie verbindende Muster wahrzunehmen. Die Fähigkeit zum vernetzten, integrativen Denken beschreibt das Vermögen, die verbindenden Muster, die die Systemelemente aneinander koppeln, zu erkennen und im eigenen Handeln zu berücksichtigen.

Zu drittens: Die neueren E. gehen von dem Prinzip der Selbstorganisation (Autopoiesis) aus. Diese Selbstorganisationsannahme trägt der Tatsache Rechnung, dass Systeme einfach zu komplex, zu variantenreich und in sich zu differenziert sind, um sie wirklich in einfachen Erklärungsmodellen abbilden zu können. Systeme sind auch zu komplex und zu wenig kalkulierbar, um sie nur durch die Handhabung einiger zentraler Faktoren erfolgreich und zielorientiert steuern zu können. Isolierte Eingriffe in komplexe Systeme, die nicht deren Vernetztheit und deren Eigendynamik Rechnung tragen, zeigen sehr häufig andere, bisweilen sogar kontraproduktive Wirkungen.

Überträgt man die neueren E. auf den Zusammenhang von → Lernen und → Bildung, so lassen sich sowohl Individuen wie auch Lerngruppen als komplexe soziale Systeme, die nach den oben skizzierten Wirkprinzipien „funktionieren“, beschreiben. Für erwachsenenpädagogische Interventionen wesentlich ist dabei der Gesichtspunkt, dass man in komplexe Systeme nicht „zielorientiert intervenieren“ kann, man kann die Systemkomplexität nur von außen stören (Perturbation). Zu welchem neuen Gleichgewicht (Lernergebnis) der so gestörte Systemzusammenhang dann selbst gelangt, ist häufig in wesentlich stärkerem Maße von den in ihm wirksamen Kräften als von der Zielorientierung der extern motivierten Intervention abhängig.

Literatur

  • Arnold, R.: Ich lerne, also bin ich. Eine systemisch-konstruktivistische Didaktik. Heidelberg 2007

  • Balck, H./Kreibich, R. (Hrsg.): Evolutionäre Wege in die Zukunft. Wie lassen sich komplexe Systeme managen? Weinheim/Basel 1991

  • Binning, G.: Aus dem Nichts. Über die Kreativität von Natur und Mensch. 4. Aufl. München

  • Braitenberg, V./Hosp, I. (Hrsg.): Evolution, Entwicklung und Organisation in der Natur. Reinbek 1994

  • Capra, F.: Wendezeit. Bausteine für ein neues Weltbild. München 1988

  • Küppers, G. (Hrsg.): Chaos und Ordnung. Formen der Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft. Stuttgart 1996

  • Simon, F.B. (Hrsg.): Lebende Systeme. Berlin u.a. 1988

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt