Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Felicitas von Küchler

Fachbereich

Der Begriff F. gehörte noch bis vor wenigen Jahren zum Standardrepertoire in der EB/WB. Mit ihm wurden die fachlich-inhaltlichen Angebote eines gemeinsamen Fachgebiets auch organisatorisch zusammengefasst bzw. der Planungsverantwortung eines Fachbereichsleitenden unterstellt (Volkshochschulverband Baden-Württemberg 1995). Mit F. war also immer eine doppelte Sichtweise gemeint: Thematisch zusammengehörige Wissensstruktur übersetzt sich in Angebote, die den → Teilnehmenden präsentiert werden. Gleichzeitig ist diese Angebotsstruktur aber auch intern in der Weiterbildungseinrichtung von organisierender Bedeutung im Sinne der Generierung und Entwicklung von passenden Angeboten und spielt eine wichtige Rolle bei der internen Verteilung organisatorischer Zuständigkeiten.

So orientiert sich die Einteilung der Fachbereiche an Volkshochschulen häufig an denjenigen Gliederungseinteilungen, wie sie in der Statistik des DVV vorgesehen ist. Dort gibt es: Politik – Gesellschaft – Umwelt; Kultur – Gestalten; Gesundheit; Sprachen; Arbeit – Beruf; Grundbildung – Schulabschlüsse.

Diese Einteilung wird immer noch bei zahlreichen Einrichtungen als interne Fachbereichs- oder Programmbereichsstruktur übernommen und bildet sich in der nach außen gerichteten Darstellung im Programmheft ab. In Erwachsenenbildungseinrichtungen der Kirchen und in anderen, öffentlich mitverantworteten Weiterbildungseinrichtungen ist zwar eine Einteilung in Fachbereiche vorzufinden, diese ist aber außerordentlich variabel. In Einrichtungen der Familienbildung gab es ebenfalls in über der Hälfte eine Einteilung der Angebote nach Fachbereichen (Schiersmann u.a. 1998). Der inhaltliche Zuschnitt der Fachbereiche ist jedoch heterogen.

Mittlerweile hat der Begriff F. aus mehreren Gründen an Aktualität und Bedeutung eingebüßt: Zum einen hat sich die Berufsrolle des Fachbereichsleitenden verändert. Die Fachlichkeit im Sinne einer Wissenschaftsdisziplin ist keine zentrale Grundlage des pädagogisch planenden Handelns mehr. Zwar bleibt ihre Funktion, die Programmplanung zu verantworten, bestehen, ihr Handeln und ihre Kompetenzen richten sich aber auch an Anforderungen des Weiterbildungsmanagements aus. Fachbereichsleitende übernehmen leitende Funktionen mit der Verantwortung für Personal(führung) und Finanzen. Zudem spielen methodisch-didaktische Aspekte zunehmend eine Rolle.

Desweiteren hat die Ausdifferenzierung der Angebote nicht nur fachbereichsintern zugenommen, sondern auch vermehrt zu Angeboten geführt, die entweder an den „Rändern“ der Fachgebiete angesiedelt sind oder auch andere Gebiete miteinbeziehen. So hat z.B. im Sprachenbereich nicht nur eine Differenzierung nach Niveau, Adressatentypus, Ziel und Lernort stattgefunden, sondern es findet eine interdisziplinäre Reformulierung statt: Sprachkompetenz als interkulturelle Kompetenz. Ebensolche Entwicklungslinien finden sich im Bereich Gesundheit und Umwelt, oder auch im Bereich beruflicher Weiterbildungsangebote, wo nicht nur Angebote nach Wissensbereichen (EDV, kaufmännische Kenntnisse, Managementqualifikationen) angesiedelt sind, sondern auch die Soft Skills wie z.B. Rhetorik, Kommunikation, Teamentwicklung u.ä. angeboten werden. Den im beruflichen Bereich immer komplexer und reflexiver werdenden Qualifikationsanforderungen stehen ebensolche Angebotstypen gegenüber.

Schließlich können die einrichtungsinternen Gliederungsprinzipien in Bezug auf die Angebotsstruktur im Programm themen- oder fachspezifische Gruppierungen, zielgruppenspezifische Angebotsbündelungen (z.B. im Bereich der Familienbildung), produkt- und geschäftsfeldbezogene (v. Küchler 2007) oder auch lebenswelt-/alltagsweltbezogene Zusammenstellungen der Angebote vornehmen. Bei größeren Einrichtungen zeigt sich eine Abkehr von Fachbereichen zugunsten von Abteilungsstrukturen, die unterschiedliche Fachgebiete bündeln.

Darüber hinaus haben die Bemühungen der Weiterbildungseinrichtungen zugenommen, spezifische Merkmale ihres Profils öffentlichkeitswirksam zu präsentieren; schon aus diesem Grund sind sie bestrebt, die vorgefundene Einteilung nach Fachbereichen zu differenzieren oder grundlegend zu verändern.

Der Bedeutungsverlust des Terminus F. signalisiert, dass der bisherige angebotsbezogene Differenzierungsprozess an Grenzen stößt und zunehmend andere Prioritäten das öffentlich kommunizierte Erscheinungsbild von Weiterbildungseinrichtungen prägen.

Literatur

  • Küchler, F. v.: Organisationsveränderungen von Bildungseinrichtungen. Bielefeld 2007

  • Schiersmann, C. u.a. Innovationen in Einrichtungen der Familienbildung. Opladen 1998

  • Volkshochschulverband Baden-Württemberg (Hrsg.): Handbuch für VHS-Dozentinnen und VHS-Dozenten. Leinfelden-Echterdingen 1995

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt