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Heinrich Kelz

Fachsprache

Im Zuge der Spezialisierung haben sich unter den auf einem Spezialgebiet Tätigen besondere Kommunikationsbeziehungen und typische Formen der Informationsübermittlung mit einem hohen Grad an Standardisierung herausgebildet. Die sprachlichen Elemente ( → Sprache), die zur Kommunikation zwischen Menschen aus einem abgegrenzten Kommunikationsbereich eingesetzt werden ( → Interaktion), werden als F. (engl.: language for specific purposes LSP; frz.: langue de spécialité) zusammengefasst. Aufgabe der F. ist die Bereitstellung eines Zeichenvorrats zur Verständigung über bestimmte Sachbereiche, die möglichst genau und wirtschaftlich erfolgen soll. F. können somit als sprachliche Zeichensysteme mit instrumentellem Charakter betrachtet werden. Abzugrenzen hiervon sind die Gruppen- oder Sondersprachen (Jägersprache, Sprache der Jugend usw.), in denen es im Gegensatz zu der auf Klarheit und Eindeutigkeit ausgerichteten F. eher auf eine „Verrätselung“ gegenüber Außenstehenden ankommt, um diese damit sprachlich auszugrenzen.

Damit ist die F. primär die Sprache eines Fachs, z.B. des Rechts(wesens), der Medizin usw. und manifestiert sich in entsprechenden Fachtexten. Mit ihrer Hilfe können theoretische Elemente des Fachs und praktische Prozesse adäquat erfasst und beschrieben werden. Die Besonderheit der F. liegt in ihrem speziellen, auf die Bedürfnisse des jeweiligen Fachs abgestimmten Wortschatz (dessen Übergänge zur Gemeinsprache fließend sind und der auch allgemeinsprachliche Wörter – oft in eingegrenztem Bedeutungsumfang – enthält). Ferner liegt ihre Besonderheit in der Gebrauchsfrequenz bestimmter morphologischer und syntaktischer Mittel sowie in Sonderformen der phonetischen und graphischen Realisierung. Die Unterschiede zur Allgemeinsprache werden also auf allen Ebenen deutlich: in der Grammatik, teilweise in der Aussprache und in der Schreibweise, vor allem aber in der Lexik (Fachterminologie).

Die Differenziertheit des fachspezifischen Wortschatzes spiegelt das Ausmaß der fachlichen Spezialisierung wider. Das terminologische System einer F. bringt in Abhängigkeit vom Entwicklungsstand der jeweiligen F. ein mehr oder weniger vollständiges Begriffssystem zum Ausdruck. Mithilfe der Fachterminologie werden Sachverhalte möglichst exakt und eindeutig benannt. Aus diesem Grunde wurde lange Zeit die Bedeutung der Lexik gegenüber der Bedeutung der Grammatik überschätzt. Heute ist jedoch die strukturbildende Bedeutung fachsprachlicher Syntax und Morphologie nachgewiesen. Dies heißt aber nicht, dass F. eine eigene Grammatik besitzen, sondern dass bestimmte, in der Allgemeinsprache vorhandene Mittel bevorzugt und teilweise in anderer Bedeutung eingesetzt werden.

Die F. umfasst sowohl den schriftlichen als auch den mündlichen Sprachgebrauch; beide können sowohl in einer horizontalen Schichtung (handwerkliche, technische, wissenschaftliche F.) als auch in einer vertikalen Schichtung (fachlich-praktischer, sachlich-belehrender, wissenschaftlich-theoretischer Stil) unterteilt werden. Fachtexte können ferner sowohl unter funktionalen als auch unter strukturellen Aspekten beschrieben werden. Die funktionale Beschreibung von Fachtexten setzt eine Kenntnis des Kommunikationsgegenstandes, eine Analyse der Kommunikationssituation, die Gegenüberstellung der Kommunikationspartner und eine Erfassung ihrer Kommunikationsinteressen voraus.

Die Beschreibung der Textstruktur umfasst die gedankliche Gliederung (Makrostruktur), die Textkohärenz (sowohl semantisch als auch syntaktisch), die syntaktische Struktur (Thema-Rhema-Gliederung), die Lexik (Terminologie, Wortbildung und -ableitung), grammatische Kategorien und ihre formalen Repräsentationen sowie die Ausdrucksgestaltung (bei gesprochenen Fachtexten) bzw. die optisch-graphische Strukturierung (bei geschriebenen Fachtexten). Kenntnisse über Textstrukturen können die Aufnahme und Integration der in Fachtexten vermittelten Informationen nachhaltig beeinflussen. So bestimmen strukturelle Eigenschaften der Fachtexte die Zeitspanne, die vom Rezipienten für die Verarbeitung der Textinhalte benötigt wird. Auch der Behaltensgrad der mitgeteilten Informationen hängt zum Teil von der Makrostruktur des Fachtextes ab. Schließlich ist der Erfolg der Textrezeption auch davon abhängig, inwieweit sich der Textproduzent auf das Wissensniveau der Rezipienten einzustellen vermag.

Im Fremdsprachenunterricht spielt im Zusammenhang mit berufsorientierter F.ausbildung ebenfalls der Fachtext eine bedeutende Rolle. Dies gilt insb. für den Bereich der EB (Hochschule, → Volkshochschule, innerbetriebliche Ausbildung, Vorbereitung auf eine Berufstätigkeit im Ausland). In zunehmendem Maße sind seit den 1970er Jahren auch fachsprachliche und berufsorientierte Sprachlehrwerke entstanden, zunächst als Zusatzmaterialien zu allgemeinsprachlichen Lehrwerken, dann als eigenständige, kurstragende Lehrwerke für Fortgeschrittene, die eine allgemeine Sprachausbildung durchlaufen haben, und schließlich seit Beginn der 1990er Jahre auch als kurstragende Lehrwerke für den Anfängerunterricht. Ziel des fachsprachlichen Fremdsprachenunterrichts ist es, die sprachliche Handlungsfähigkeit der Lernenden im Fach zu erhöhen, die erforderlichen Fertigkeiten zu entwickeln, die dazu befähigen, sich in der F. zu verständigen, d.h. sich hinreichend zu informieren sowie sich angemessen und differenziert zu äußern (jeweils mündlich und schriftlich).

Literatur

  • Fluck, H.-R.: Fachsprachen. 5. Aufl. Tübingen 1996

  • Hoffmann, L. u.a. (Hrsg.): Fachsprachen. Ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. Berlin 1998

  • Kelz, H.P. (Hrsg.): Fachsprache, Bd. 1, Bonn 1983; Bd. 2, Bonn 1987

  • Roelcke, T.: Fachsprachen. 2. Aufl. Berlin 2005

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt