Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Michael Vennemann

Fernunterricht

Unter F. wird allgemein ein angeleiteter und kontrollierter Selbstlernprozess unter Überwindung räumlicher Entfernung verstanden. Die räumliche Trennung kann durch Zusendung von gedruckten Lehrbriefen oder CDs oder Herunterladen von Lerneinheiten überwunden wird. Eine räumliche Trennung in diesem Sinne liegt nicht bei synchroner Kommunikation wie z.B. bei Videokonferenzen vor.

F. unterscheidet sich damit vom Direktunterricht ( → Unterricht) und von Selbstlernprogrammen (Fachbüchern, CBT-Programmen etc.) und ist besonders auf das → Lernen in eigener Verantwortung ausgerichtet. Er unterscheidet sich durch die Form der Aufbereitung des Lernstoffes von Fachbüchern oder anderen medialen Lernformen. Die zu vermittelnden Inhalte werden nicht lediglich fachsystematisch bzw. fachwissenschaftlich abgehandelt, sondern in pädagogischen Strukturen vermittelt, die die Funktion des Lehrenden im Direktunterricht übernehmen. Auch gehören Möglichkeiten der Selbst- und Fremdkontrolle durch Korrektoren in den Fernlehrinstituten dazu, die Einsendeaufgaben korrigieren und mit Hinweisen für den weiteren Lernprozess versehen. Die Lernenden können bestimmen, wann, wo und wie schnell sie lernen wollen, sind aber in dem Lernprozess nie auf sich allein gestellt. Sie haben auch unabhängig von den Einsendeaufgaben die Möglichkeit, sich bei Tutor/inn/en Rat und Unterstützung bei auftretenden Schwierigkeiten zu holen.

Zum F. können auch mehr oder weniger umfangreiche Präsenzphasen gehören. Die Frage, ob und in welchem Umfang Präsenzphasen (fakultativ oder obligatorisch) angeboten werden, richtet sich zum einen nach den Lernzielen, zum anderen nach der Konzeption des Bildungsträgers. Für bestimmte Lernziele, insb. solche, die auf Verhaltensänderungen (Kommunikation, Rhetorik, Präsentation etc.) oder den Erwerb von Kompetenzen abzielen, stößt rein mediengestütztes Lernen an Grenzen. Hier sind andere Lernformen erforderlich, so dass Präsenzphasen oder andere Formen des gemeinsamen Lernens und Einübens Bestandteil des Lehrgangs sein müssen. Im Übrigen hat der Anbieter des Lehrgangs Spielräume, auch unter anderen Gesichtspunkten Seminare, Workshops usw. anzubieten.

Werden mehr als 50 % der Kenntnisse und Fähigkeiten so vermittelt und wird dazu ein privatrechtlicher Vertrag gegen Entgelt geschlossen, liegt F. im Sinne des Fernunterrichtsschutzgesetzes (FernUSG) vor. Nach diesem Gesetz bedarf jeder Fernlehrgang vor dem Vertrieb der Zulassung durch die zuständige „Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht“ in Köln. Der Begriff F. dient der Abgrenzung zur bloßen Lieferung von Büchern und anderen Lernmaterialien sowie programmierten Unterweisungen, denen das Element der Betreuung und der individuellen Anleitung durch den Bildungsträger fehlt. Die Anwendbarkeit des Gesetzes wird weder von Bildungsinhalten, Lehrgangszielen, → Zielgruppen oder der Art eventueller Abschlüsse noch vom Status der → Träger des Lehrgangs beeinflusst.

Im Rahmen des Zulassungsverfahrens wird geprüft, ob der Lehrgang geeignet ist, auf das beschriebene Lehrgangsziel vorzubereiten, die eingesetzten Verträge den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen und das Informationsmaterial, das anfragenden Interessenten übermittelt wird, den Lehrgang zutreffend beschreibt. Die Interessen der Lernenden sind durch gesetzlich zwingende Regelungen sehr weitgehend geschützt.

Nach Vertragsabschluss kann innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt des ersten Lehrmaterials ein Widerrufsrecht ausgeübt werden. Der Fernunterrichtsvertrag kann jederzeit, zum ersten Mal nach Ablauf des ersten Halbjahres nach Vertragsabschluss, mit einer Frist von sechs Wochen gekündigt werden. Die zu zahlende Vergütung darf nur in Raten gefordert und geleistet werden. Im Falle einer Kündigung ist daher auch nur so viel zu zahlen, wie auf den entsprechenden Teil der Laufzeit des Vertrags entfällt. Im Zentrum des Zulassungsverfahrens steht die Prüfung, ob die Lehrgangskonzeption den Anforderungen entspricht, die erfüllt sein müssen, um die versprochenen Kenntnisse, Fähigkeiten und → Kompetenzen erwerben zu können. Darüber hinaus wird geprüft, ob die Lernmaterialien fachlich richtig sind und die erforderlichen Kenntnisse im notwendigen Umfang vermitteln. Von daher wurde das Zulassungsverfahren von einer Prüfung der Lernmaterialien zur Prüfung der Konzeption und deren Umsetzung im Sinne von Qualitätssicherung und → Qualitätsmanagement entwickelt.

Literatur

  • Balli, C./Sauter, E.: Medien und Fernunterricht. In: Tippelt, R. (Hrsg.): Handbuch der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. 2., überarb. und akt. Aufl. Opladen 1999

  • Holmberg, B.: The Evolution, Principles and Practices of Distance Education. Schriftenreihe der Fernstudienforschungsstelle der Universität Oldenburg 2005

  • Scheuermann, F./Schwab, F./Augenstein, H. (Hrsg.): Studieren und weiterbilden mit Multimedia: Perspektiven der Fernlehre in der wissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung. Nürnberg 1998

  • ZFU: Ratgeber für Fernunterricht. Informationen und Empfehlungen. Alle Fernlehrinstitute. Alle Fernlehrgänge. Köln/Bonn 2008

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt