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Dieter Timmermann

Finanzierung

Eine enge Definition (Gablers Wirtschaftslexikon 1996) kennzeichnet F. als Maßnahme der Beschaffung und Rückzahlung von liquiden Mitteln. Der Begriff stellt hier einzig auf den Erhalt der Zahlungsfähigkeit einer Organisation ab. Eine weite Begriffsfassung (Mäding 1984; Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens 2002) setzt auf die Herstellung der Verfügbarkeit von Ressourcen.

Für das → Lernen in allgemeinbildenden Schulen müssen vier, für das Lernen in Berufsbildungseinrichtungen und Hochschulen fünf Ressourcenarten verfügbar sein. Allgemeinbildendes Lernen kann nur stattfinden, wenn mentale bzw. psychische Ressourcen, Zeit für Lernen, sachlich-physische Ressourcen (z.B. Gebäude samt Raumausstattung) und Geld in Form liquider Mittel bereitstehen. Für Lernen, das in die Arbeitswelt führt, kommen als fünfte Gruppe institutionelle Bedingungen wie Sicherheits- oder Qualitätsanforderungen an Produkte und Arbeitsplätze oder lerntransfer- und lernträchtige Arbeitsplätze, Arbeitsinhalte sowie Arbeitsumgebungen hinzu. Diese Ressourcenarten stehen in einem streng komplementären Verhältnis zueinander: Ohne Lernmotivation ist Zeit vergebens geopfert, ist Geld zum Fenster hinausgeworfen, kann Lernen nicht geschehen. Ohne die nötige Zeit zum Lernen kann zumindest formales und non-formales Lernen, d.h. Lernen, das in eigens arrangierten Lernkontexten und Lernsituationen organisiert geschehen soll, nicht stattfinden. Das Gleiche gilt, wenn die physisch-materiellen wie auch die erforderlichen finanziellen Bedingungen nicht erfüllt sind. Im Falle informellen Lernens stellt sich das Ressourcenproblem anders dar: Als Voraussetzungen gelten, dass erstens Lernbereitschaft, -motivation und -wille präsent und zweitens informelle Lerngelegenheiten (z.B. in Gestalt von Arbeitsplatz, Arbeitsinhalten und Arbeitsumgebung) nutzbar sind. Sofern das informelle Lernen außerhalb von Arbeitsplatz und -umgebung stattfinden soll (z.B. auf einer Fachtagung oder durch Lesen einer Fachzeitschrift), stellt sich auch hier die Frage nach den Zeit- und Geldressourcen. Zeit und Geld werden beim Arbeitsplatzlernen nicht benötigt, da es uno actu mit dem Arbeitsprozess geschieht. Der Bedarf an Geld bzw. Liquidität erklärt sich aus der Tatsache, dass in aller Regel die sachlich-physischen Ressourcen (Gebäude, Energie, Personal), die für die Gestaltung formaler und non-formaler Lernarrangements erforderlich sind, in einer hoch arbeitsteiligen Ökonomie nur über verfügbares Geld beschafft werden können.

Ressourcen werden beschafft und verfügt, damit Lernen stattfinden kann, oder ökonomisch ausgedrückt, damit ein Set von Inputs (Inhalte/Informationen/Wissen aufseiten der Lernenden, der Lehrenden und der Lehr- und Lernmittel; Verhaltensweisen und Einstellungen aufseiten der Lehrenden und Lernenden; Räume und deren Ausstattung mit Lernhilfen, Energie; lehrendes, erziehendes oder unterstützendes Personal mit bestimmten Qualifikationen; Wissensträger wie Bücher, Zeitschriften oder elektronische Medien; Zeit des lehrenden Personals und der Lerner) in einem bestimmten, durch didaktisch-methodische Überlegungen und Prinzipien gesteuerten Kombinations- und Transformationsprozess so eingesetzt wird, dass systematisch Lern-Outputs erzeugt werden (Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen aufseiten der Lernenden), die einen Lernzuwachs in dem Sinne repräsentieren, dass das Wissen der Lernenden am Ende des Prozesses deutlich feststellbar und erkennbar über dem Eingangswissen liegt und dass ihre Einstellungen sowie Verhaltensweisen am Ende des Prozesses deutlich erkenn- und messbar den Lernzielen näher gekommen sind. Dabei hängt der Finanzierungsbedarf für die Ermöglichung von Lernprozessen in formalisierten Lernstrukturen und -bedingungen von den Mengen, Preisen und Qualitäten der Inputs, aber auch von der Organisation und Gestaltung der formalen Lehr-Lernprozesse ab. Der Finanzierungsbedarf wird also durch die Effektivität und Effizienz der Lehr-Lernprozesse, durch ihre Didaktik und Methodik, mitbestimmt. Die in einem bestimmten Zeitraum (z.B. ein Jahr) Auszahlungen bewirkenden Kosten erzeugen den Finanzbedarf und damit das Finanzierungsproblem, das angebots- oder nachfrageorientiert gelöst werden kann.

Bei der angebotsbezogenen oder institutionellen Finanzierung fließen die Finanzmittel von den Geldgebern direkt an die Bildungsinstitution. Bei der nachfrageorientierten Bildungsf. leisten die Nutzer/innen selbst einen Finanzierungsbeitrag (z.B. in Form von Gebühren), oder andere Finanziers (z.B. der Staat, Stiftungen, Unternehmen) zahlen ihren Finanzierungsbeitrag nicht unmittelbar an die Bildungseinrichtung, sondern an die Nutzer/innen, die dadurch mit Kaufkraft ausgestattet werden und Nachfragemacht im Sinne ihrer Lerninteressen entfalten können. Es handelt sich um Voucher bzw. Bildungsgutscheine, die z.B. modellhaft in Hamburger Kindertagesstätten, bei der Förderung der Weiterbildung Arbeitsloser nach dem SGB III und in Nordrhein-Westfalen zur Förderung der Weiterbildung von Beschäftigten in kleinen und mittelgroßen Unternehmen erprobt werden (Mattern 1997). Die beiden Finanzierungsalternativen üben aufgrund ihrer verschiedenen Anreizmuster unterschiedlichen Einfluss auf das Angebots- und Nachfrageverhalten der Akteure aus und erzeugen differente Steuerungswirkungen.

F. bedeutet nicht nur die Beschaffung von Geldsummen, sondern die Geldbeschaffung ist lediglich ein Mittel, um physische und immaterielle Güter (einschließlich Zeit) besorgen und über sie verfügen zu können. Während also der Finanzierungszweck in der Verfügbarkeit über Ressourcen für Lernen besteht, stellt die Geldbeschaffung lediglich ein Mittel dafür dar, ist allerdings ein notwendiger Schritt. Als Finanzierungsquellen kommen nur drei alternative Finanzierungsquellen infrage: vergangenes Einkommen (früher Gespartes, Geld- oder Sachvermögen), das laufende Einkommen (Löhne, Gehälter, Zins-, Miet- oder Pachteinkommen, Steuereinnahmen, Umsätze, Einnahmen aus laufenden Umlagen) und zukünftiges Einkommen (Kredite und Darlehen). Als Zahler kommen infrage die Teilnehmenden oder ihre Angehörigen, die Erwerbstätigen (d.h. Angestellte, Arbeiter/innen, Beamte, Selbstständige), private Organisationen (z.B. Unternehmen, Stiftungen, Korporationen, Bildungsträger), der Staat (Bundesregierung, Länder, regionale Staatseinheiten oder Kommunen).

Literatur

  • Expertenkommission Finanzierung Lebenslangen Lernens (Hrsg.): Auf dem Weg zur Finanzierung Lebenslangen Lernens. Bielefeld 2002

  • Gablers Wirtschaftslexikon: Finanzierung. Wiesbaden 1996

  • Mäding, H.: Finanzierung des Bildungswesens. In: Baethge, M./Nevermann, K. (Hrsg.): Organisation, Recht und Ökonomie des Bildungswesens. Enzyklopädie Erziehungswissenschaften, Bd. 5, Stuttgart 1984

  • Mattern, C.: Der Bildungsgutschein. In: Böttcher, W./Weishaupt, H./Weiß, M. (Hrsg.): Wege zu einer neuen Bildungsökonomie. Weinheim/München 1997

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt