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Rolf Arnold

Fortbildung

F. ist ein Teil der → beruflichen Weiterbildung, die alle Angebote zur Entwicklung beruflicher → Kompetenzen umfasst, die nach dem Abschluss einer ersten beruflichen Ausbildung in Anspruch genommen werden. Seit den 1980er Jahren ließ sich eine stetig wachsende Bedeutung der beruflichen WB feststellen, so dass einige Wissenschaftler/innen bereits den Wandel der Bundesrepublik von einer „Erstausbildungs- zu einer Weiterbildungsgesellschaft“ proklamieren (Arnold/Gieseke 1999). Dies ist eine Einschätzung, die auch durch den seit 1997 einsetzenden leichten Rückgang (TNS Infratest Sozialforschung 2008) nicht wirklich infrage gestellt wird (Arnold/Pätzold 2008). Nach dem Tiefstand der rückläufigen Weiterbildungsbeteiligung im Jahr 2003 ist inzwischen wieder eine leicht steigende Tendenz zu beobachten. Aktuell nehmen z.B. über 40 % der Deutschen im Alter von 19 bis 64 Jahren jährlich an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Die berufliche WB – gemäß der Definition des Adult Education Survey (AES) – ist dabei mit 60 % aller Weiterbildungsaktivitäten der größte Bereich (TNS Infratest Sozialforschung 2008). Wie F. werden auch → Umschulung und → Lernen am Arbeitsplatz unter beruflicher WB gefasst.

Als Anpassungsf. werden solche Maßnahmen bezeichnet, in denen (häufig in von Betrieben oder Kammern organisierten Kursen bzw. Programmen) die → Qualifikationen der Arbeitnehmer/innen an die gewandelten Anforderungen angepasst werden. Dies kann sowohl in kurativer als auch in präventiver Absicht geschehen. „Kurativ“ ausgerichtet ist die Anpassungsf. dann, wenn benachteiligte Arbeitnehmer/innen bzw. Arbeitssuchende (z.B. Arbeitslose, Frauen nach der Familienphase) auf den beruflichen Wiedereinstieg vorbereitet werden. Eine „präventive“ Funktion erfüllt die Anpassungsf. dann, wenn sie in sich verändernden Marktsituationen Arbeitnehmer/innen „vorauseilend“ so qualifiziert, dass diese die neuen beruflichen Situationen gestalten und so vor Arbeitslosigkeit bewahrt werden können.

In der Aufstiegsf. erwirbt demgegenüber der Arbeitnehmer nicht nur Kenntnisse, sondern auch Berechtigungen (z.B. Meister- oder Techniker-Abschluss) zur Übernahme höherer Positionen mit erweiterten Aufgaben. Auch Aufstiegsf. kann eine arbeitsplatzsichernde – also präventive – Funktion erfüllen, im Vordergrund steht allerdings die karriereorientierte Intention des beruflichen Aufstiegs.

Die Umschulung ist ein Sonderfall der beruflichen WB: Hier werden Arbeitnehmer/innen für einen anderen Beruf qualifiziert. Dies kann bedeuten, dass die bislang erworbenen beruflichen Kompetenzen nicht weiterentwickelt bzw. „weitergebildet“, sondern dass völlig neue Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben werden. Die Umschulung hat deshalb meist mehr den Charakter einer „Zweitausbildung“ (Münk/Lipsmeier 1997) als den einer beruflichen WB.

Man kann beim Lernen am Arbeitsplatz sowohl organisierte als auch nicht-organisierte bzw. informelle Formen feststellen. Zu den organisierten Formen des Lernens am Arbeitsplatz gehören u.a. das „Anlernen“ und die sog. „Qualitätszirkel“, während das informelle Lernen im Arbeitsprozess weitgehend selbstorganisiert abläuft. Das „Anlernen“ geschieht in kurzen Unterweisungssequenzen, in denen eine neue Fachkraft die für einen Arbeitskontext notwendigen Kompetenzen gezielt erwirbt.

Die Förderung der beruflichen WB durch die Bundesanstalt für Arbeit stieg – mit Ausnahme eines gewissen Rückgangs 1989 – bis 1993 kontinuierlich an. Dieser Anstieg eskalierte insb. nach dem Beginn der sog. Qualifizierungsoffensive (ab 1985). Ziele dieser Offensive waren die Verbindung von öffentlicher und betrieblicher Qualifizierung und die Schwerpunktsetzung auf die Verbreitung der neuen Technologien. Ab 1993 sind Rückgänge zu verzeichnen (1993 um ca. 39 %, 1994 um 10 %), so dass sich die AFG-finanzierte berufliche WB 1994 wieder auf dem Stand von 1983 einpendelte (Mangold u.a. 1996).

An der Finanzierung von beruflicher WB sind die Betriebe, öffentliche bzw. staatliche Stellen sowie die Individuen selbst beteiligt. Seit 1996 ist ein Rückgang der öffentlichen Ausgaben für WB insgesamt zu verzeichnen, sowohl absolut als auch hinsichtlich des Anteils am BIP. Für den Bereich der beruflichen WB hat insb. der deutliche Rückgang der Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen nach dem SGB III (zwischen 1996 und 2006 um 83,75 %, DIE 2008) große Auswirkungen auf die Zahl der Teilnehmenden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Teilnehmenden immer stärker an der Finanzierung von WB beteiligt sind.

Literatur

  • Arnold, R./Gieseke, W. (Hrsg.): Die Weiterbildungsgesellschaft. 2 Bde. Neuwied 1999

  • Arnold, R./Pätzold, H.: Bausteine zur Erwachsenenbildung. Baltmannsweiler 2008

  • DIE: Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse 2008. Bielefeld 2008

  • Mangold, M. u.a.: Qualifizierung im Strukturwandel: Zur Bedeutung der Weiterbildung. Tübingen 1996

  • Münk, D./Lipsmeier, A.: Berufliche Weiterbildung. Grundlagen und Perspektiven im nationalen und internationalen Kontext. Baltmannsweiler 1997

  • TNS Infratest Sozialforschung (Hrsg.): Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland – Eckdaten zum BSW-AES 2007. München 2008

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt