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Albert Raasch

Fremdsprachen

Die Vermittlung von Sprachkenntnissen bildet einen Schwerpunkt der EB. → Volkshochschulen zeichnen sich durch einen breiten Fächer von Sprachangeboten aus, insb. durch die Diversifizierung nach Sprachen, Niveaustufen, Adressaten, Zielen und Inhalten. Die Vermittlung von Deutsch als F. bzw. Zweitsprache für Migrant/inn/en hat besondere Bedeutung erhalten. Auffällig ist das Entstehen zahlreicher Sprachenschulen, deren Angebote sich im Allgemeinen auf Deutsch als F. sowie auf einige ausgewählte andere (Schul-)F. konzentrieren.

Folgende Gründe für die wachsende Bedeutung der F.angebote sind auszumachen:

  • F.kenntnisse werden zunehmend als Voraussetzung für individuelle, vor allem berufliche Mobilität erkannt.

  • F.kenntnisse im Verbund mit interkultureller → Kompetenz fördern das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenwachsen Europas.

  • Das erklärte Ziel europäischer Institutionen, dass die Bürger Europas neben ihrer Muttersprache zwei weitere Sprachen der Mitgliedsstaaten beherrschen sollen, führt zu verstärkten Bemühungen, das Sprachenlernen vom Frühbeginn über Grund- und weiterführende Schule bis in die EB als → lebenslanges Lernen zu gestalten (Programm der Europäischen Union 2007-2013).

  • Eine gewisse Rolle spielt wohl auch die Wahrnehmung sprachenbezogener Aktivitäten durch die Erwachsenenbildungseinrichtungen („Europäisches Jahr der Sprachen“, „Europäischer Sprachentag“, „Europäisches Sprachensiegel“, Sprachenmessen u.a.).

Die Besonderheit des F.lernens in der EB ist die → Teilnehmerorientierung, das heisst u.a.: Anwendung erwachsenengemäßer Lehrmethoden (im Hinblick auf Motivation, Bedürfnisse, Lernmöglichkeiten und -bedingungen); Hinwendung zu einer ganzheitlichen Sprachauffassung und auf die aus sozialen Gründen notwendige → Handlungsorientierung als Grundlage für das Lernen und Lehren von Sprachen; spezielle Lehrwerke für Erwachsene (kaum für ältere Lernende); Angebote von → Sprachenzertifikaten; Anpassung an den Lernrhythmus der Erwachsenen und Berücksichtigung der sozialen und psychologischen Situation erwachsener Lerner.

Der Anteil von „native speakers“ unter den Kursleitenden ist, verglichen mit den schulischen Verhältnissen, erfreulich groß. Sehr unterschiedlich ist die „Philosophie“ von F.angeboten; neben den Kursen und Institutionen mit instrumentellen Zielen und Methoden gibt es (gerade in den öffentlich anerkannten Einrichtungen) Bemühungen um „global issues“, wie Förderung von Fremdverstehen, Empathie, Toleranz, Kommunikations- und Kompromissoffenheit, Europakompetenz.

Gegenwärtig steht die möglichst flächendeckende Implementierung von innovatorischen Ansätzen im Mittelpunkt der Erwartungen an das Sprachenlernen und -lehren in der EB. Einiges davon ist bereits realisiert worden. Zu nennen sind folgende Aspekte:

  • Strategien des autonomen Lernens ( → Autonomie), Blended Learning; Befähigung zum selbstständigen Lernen/Weiterlernen als Voraussetzung für die Anpassung an sich ändernde gesellschaftliche und individuelle Anforderungen an Sprachkompetenz und an die Lernbedingungen,

  • Förderung der „language awareness“, der „language learning awareness“ und der „language teaching awareness“ durch Implementierung der Europäischen Sprachenportfolios des Europarates,

  • Zielgruppenorientierung ( → Zielgruppen) der Angebote, speziell im Rahmen der → Altersbildung (zunehmend wichtig im Hinblick auf den demographischen Wandel)

  • Nutzung Neuer Medien ( → E-Learning, Internet, E-Mail),

  • Vertiefung und Umsetzung der Qualitätssicherung ( → Qualitätsmanagement), insb. in Bezug auf die Qualifizierung der Lehrkräfte, auf den Ausbau der curricularen Vorgaben, der Erarbeitung modularer Angebote und der weiteren → Internationalisierung der Zertifizierungsangebote ( → Zertifikate und Abschlüsse),

  • Ausbau der Professionalisierung des Lehrkörpers u.a. durch die Nutzung nationaler und internationaler Kooperationen in Aus- und Fortbildung.

Stärkere Unterstützung des F.lernens in der EB müsste von aussen erfolgen:

  • Förderung der institutionellen Rahmenbedingungen (kleinere Lerngruppen, bessere technologische Ausstattung),

  • Ausbau der EB in der F.lehrerausbildung,

  • erweiterte Angebote in interkultureller Bildung und interkultureller Kommunikation,

  • Durchsetzung lebenslangen Lernens durch konsequente institutionenübergreifende Kooperation aller an der Sprachvermittlung beteiligten → Institutionen und Instanzen,

  • bessere Möglichkeiten zur Einwerbung von → Fachsprachen-Lehrkräften zum Ausbau der bedarfs- und bedürfnisorientierten berufsbezogenen Kompetenz in Fachkommunikation,

  • weiterer Ausbau einer systematischen und kontinuierlichen → Lernberatung,

  • fortschreibende Erarbeitung eines Profils für erwachsenenspezifischen Sprachunterricht (Forschungsmöglichkeiten),

  • Förderung der Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit, z.B. im Hinblick auf die modernen, un-schulischen Konzepte, die gerade von den europäischen Institutionen intensiv gefördert werden (Europarat, Europäische Union).

Literatur

  • Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften (Hrsg.): Förderung des Sprachenlernens und der Sprachenvielfalt. Aktionsplan 2004-2006. Luxemburg 2004

  • Council of Europe, Language Policy Division: From Linguistic Diversity to Plurilingual Education: Guide for the development of language education policies in Europe. Straßburg 2007

  • Jung, U.O.H. (Hrsg.): Praktische Handreichungen für Fremdsprachenlehrer. 4. Aufl. Frankfurt a.M. u.a. 2006

  • Raasch, A.: Sprachen- und Bildungspolitik. In: Hallet, W./Königs, F.: Handbuch Fremdsprachendidaktik. Hannover 2009

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt