Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Ekkehard Nuissl

Anschlusslernen

Der Begriff A. ist zuerst in Verbindung mit empirischen Untersuchungen und didaktischen Vorschlägen für die WB betrieblicher Interessenvertreter eingeführt worden (Schmidt/Weinberg 1978). Es wurde davon ausgegangen, dass die → Teilnehmenden über gewisse Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, an die im Interesse des Seminarziels angeknüpft werden kann. Im Zuge der praktischen wissenschaftlichen Reflexion hat sich das Konzept des A. weiterentwickelt und ausdifferenziert; der Gedanke des Lernens, das an Vorhandenes andockt, wird heute stark mit lebensweltlichen und biographieorientierten Vorstellungen des Lernens verbunden. Dabei geht man im Wesentlichen von vier Aspekten aus, an die Lernen anschließen kann:

  • das Vorwissen: dies bezieht sich auf die erworbenen Kenntnisse, aber auch Fähigkeiten und Kompetenzen der Menschen, die lernen. Dies ist nicht immer so einfach operationalisierbar wie bei Einstufungstests im Sprachunterricht, gilt aber als wesentliche Grundlage einer teilnahmeorientierten Didaktik;

  • die Erfahrung: hier knüpft das → Lernen an Erfahrungen an, die über die kognitive Dimension des Wissens hinausgehen; narrative und lebensgeschichtliche Bezüge, Assoziationen und Verknüpfungen erleichtern nicht nur das Lernen, sondern beziehen es auch in die Entwicklung der Persönlichkeit ein;

  • konkrete Interessen: hier knüpft das A. an den Interessen (und meist auch Erwartungen) der Lernenden in organisierten → Lehr-Lernprozessen an. Im A. werden die Interessen ermittelt, präzisiert und in didaktische Konzepte und Aktivitäten übersetzt;

  • die Lebenswelt: hier knüpft das A. an den lebensweltlichen Kontext der Lernenden an, bezieht sich auf deren Problem- und Alltagssituation und transferiert sie in ein konzeptionell mit der Lebenswelt verbundenes Angebot.

In der Verknüpfung des A. mit der individuellen Bildungsbiographie wird es zur Determinante gelingenden Lernens im individuellen Kontext. Lernwiderstände sind in diesem Zusammenhang Indizien für Bruchstellen in der Suche nach Anschlüssen auf unterschiedlicher Ebene.

Im Konzept des → Lebenslangen Lernens, das solche biographieorientierten Bildungsprozesse nachzeichnet, spielt das A. sowohl makro- als auch mikrodidaktisch eine wichtige Rolle. Makrodidaktisch geht es darum, dass Individuen Übergänge zwischen organisierten Bildungsangeboten suchen und Module bereitstehen müssen, die einen solchen Anschluss unterschiedlicher Provenienz ermöglichen. Für die Anbieter in der Erwachsenenbildung bedeutet dies auch, dass differenziertere, kleinteiligere und aus unterschiedlichen Richtungen leichter ansteuerbare „Module“ geschaffen werden müssen. Ebenfalls bedeutsam ist makrodidaktisch auch die Verknüpfung von informellem und formalisiertem Lernen, der Anschluss eines organisierten Lernprozesses (Kurs, Seminar etc.) an ein selbstgesteuertes und nicht fremd organisiertes Lernen zuvor und danach. Hier sind vielfach Notwendigkeiten einer innovativen Weiterentwicklung der Lehr-Lernangebote erforderlich.

Mikrodidaktisch erfordert das A. Möglichkeiten, im Lehr-Lernprozess die Anschlussstellen der Lernenden hinsichtlich Vorwissen, Erfahrung, Interessen und Lebenswelt aufzuspüren und flexibel sowie teilnehmerorientiert in der Lehre umzusetzen. Dabei spielen neue komplexe Arrangements, die in der Regel → Moderation, Instruktion und Rekonstruktion kombinieren, eine bedeutsame Rolle. Auch ist die Frage der Zertifizierungen bzw. der Anerkennung von Lernleistungen in diesem Kontext wichtig.

Literatur

  • Alheit, P.: Was die Erwachsenenbildung von der Biographie- und Lebenslaufforschung lernen kann. In: Lenz, W. (Hrsg.): Modernisierung der Erwachsenenbildung. Wien u.a. 1994

  • Schmidt, R./Weinberg, J.: Weiterbildung als Lehrhandeln. Münster 1978

  • Nuissl, E. (Hrsg.): Vom Lernen zum Lehren. Bielefeld 2006

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Wörterbuch Erwachsenenbildung

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt