Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Matthias Trier

Geschichte der Erwachsenenbildung – von 1945 bis 1989 in der SBZ/DDR

Die WB wurde in der DDR als ein Bestandteil des Bildungssystems verstanden, das als Gesamtsystem im sozialistischen Sinne konzipiert war und zentralistisch reguliert wurde.

In den normativen Aussagen zum einheitlichen sozialistischen Bildungssystem wurde durchgängig die Einheit von → Allgemeinbildung, beruflicher Ausbildung und WB betont. Als Konsequenz daraus waren sowohl die Berufs- als auch die Fach- und Hochschulausbildungen auf Grundlagen orientiert, während die Spezialisierung vorrangig durch berufsbegleitende WB erfolgen sollte. Im Mittelpunkt stand die → berufliche Weiterbildung für alle Beschäftigtengruppen, an die auf allen Ebenen politische WB angelagert war. Hatte die berufliche WB bis in die 1960er Jahre die nachholende Qualifizierung zum Facharbeiter als Schwerpunkt, wurde ab Mitte der 1970er Jahre die arbeitsplatznahe, aufgaben- und objektbezogene ständige berufliche WB als Hauptform propagiert. In den 1980er Jahren wurden Kurskorrekturen vorgenommen und die allgemeine EB wieder aufgewertet.

Historisch betrachtet wurden die Strukturen der WB mehrfach verändert. Nach 1945 standen die → Volkshochschulen im Zentrum, die sich ein Netz von Außenstellen und Betriebsvolkshochschulen schufen. Sie sollten den dringenden Bedarf an qualifizierten Fach- und Führungskräften decken. Ab 1952 wurde die berufliche WB in die Verantwortung der Betriebe verlagert und hatte Ende der 1950er Jahre mit den Kombinats- und Betriebsakademien ihre endgültige Struktur gefunden, die mit gewissen Modifizierungen bis 1989 bestand. Die Betriebs- und Dorfakademien bildeten Facharbeiter, Meister sowie mittlere Leitungskräfte weiter und übernahmen die Qualifizierung zum Facharbeiter für Erwachsene ohne beruflichen Abschluss. Leitungskräfte der Betriebe wurden in den Kombinatsakademien und Instituten für sozialistische Wirtschaftsführung weitergebildet.

Die Volkshochschulen konzentrierten sich auf kompensatorische allgemeinbildende Schulabschlüsse und die allgemeine EB. Mit dem Rückgang des entsprechenden Nachholebedarfs traten interessenbezogene, allgemeinbildende Kurse für Fremdsprachen, Kunst, Literatur, Natur- und Gesellschaftswissenschaften in den Vordergrund. In geringem Umfang führten Volkshochschulen auch berufliche WB für kleine Betriebe und Genossenschaften durch.

Die Universitäten, Hoch- und Fachschulen nahmen durch Fern- und postgraduale Studien WB-Aufgaben für Hoch- und Fachschulabsolventen wahr. Neben ihnen wirkten in der WB die URANIA als Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse, die Ingenieurorganisation Kammer der Technik, weitere wissenschaftliche und technische Gesellschaften, der Kulturbund der DDR, die Kulturhäuser, Weiterbildungseinrichtungen für Ärzte oder Künstler, das Weiterbildungssystem für Lehrer, Weiterbildungskurse in Fernsehen und Rundfunk sowie die Bildungsstätten der Parteien und gesellschaftlichen Organisationen, insb. der Gewerkschaft (FDGB). Außerhalb dieses offiziellen Weiterbildungssystems entstanden zunehmend in den 1980er Jahren kirchliche Gesprächskreise, Öko- und Bürgerrechtsgruppen als systemkritische, informelle Weiterbildungsstrukturen.

Insgesamt war die offizielle WB der DDR als geschlossenes, zentral gesteuertes System mit vielfältigen Organisationsformen flächendeckend präsent und vor allem in der beruflichen WB umfangreich wirksam. Die einheitliche Planung und Leitung von Ausbildung und WB führte zu diskussionswerten Teilergebnissen, z.B. zur Durchlässigkeit der Bildungswege oder zur Verbindung von Lernen und Arbeit. Sie erbrachte jedoch letztlich weder die propagierte Entwicklung „sozialistischer Persönlichkeiten“ noch die erhofften bedarfsgerechten, planmäßig einsetzbaren Qualifikationspotenziale. Die zentralistische Regulierung stand im Widerspruch zu den allen Bildungsstrukturen immanenten sich selbst organisierenden Kräften und verfestigte die wirtschaftliche und politische Erstarrung des Systems.

Literatur

  • Opelt, K.: DDR-Erwachsenenbildung. Münster 2005

  • Schneider, G./Achtel, K. u.a.: Erwachsenenbildung. Berlin 1988

  • Siebert, H.: Erwachsenenbildung in der Bundesrepublik Deutschland. In: Tippelt, R./Hippel, A. v. (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. 3., überarb. und erw. Aufl. Opladen 2009

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt