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Beate Blättner

Gesundheitsbildung

Während der englische Begriff „health education“ eine solche Unterscheidung nicht zulässt, stand im Deutschen die Differenzierung der Begriffe „Gesundheitserziehung“ und „Gesundheitsbildung“ seit 1985 für eine konzeptionelle Abgrenzung: Gesundheitserziehung umfasst Programme der Einübung von risikoarmem, krankheitsvermeidendem Verhalten. G. dagegen will die Kompetenzen stärken, sich für die eigene Gesundheit einzusetzen. Sie zielt auf die Selbstbestimmung über die Determinanten der Gesundheit und will dazu befähigen, auf Lebensbedingungen Einfluss zu nehmen. G. verstand sich insofern politisch.

Gegenwärtig vermischt sich der Gebrauch der Begriffe erneut. Dies ist Ausdruck des Spannungsfeldes zwischen den Wissenschaftsdisziplinen Pädagogik und Gesundheitswissenschaften, in dem sich die G. bewegt. Zugleich ist es die Folge der indirekten Einflussnahme gesundheitlicher Versorgungs- und Finanzierungsstrukturen und Folge des weitgehenden Rückzugs öffentlicher Bildungsförderung aus der G.

G. umfasst die Vermittlung grundlegenden Wissens über Gesundheits- und Krankheitsprozesse („healthy literacy“), Lernangebote über Handlungschancen zur individuellen Bewältigung gesundheitlicher Belastungen („healthy lifestyles“) und kollektive Lernchancen für die gesundheitsfördernde Gestaltung von Lebenskontexten und Organisationen („healthy settings“).

Um bildungsferne Zielgruppen zu erreichen und den partizipativen Ansatz der Gesundheitsförderung zu verwirklichen, bietet es sich zudem an, mit organisierten Subkulturen und Gemeinschaften zu arbeiten („healthy communities“). Dies stellt Organisationsformen der EB vor erhebliche Herausforderungen, die nur institutionsübergreifend und kooperativ gelöst werden können. Maßnahmen der beruflichen Qualifizierung im Themenfeld Gesundheit werden im Rahmen des sog. Bologna-Prozesses weitgehend an Hochschulen verlagert.

Historisch stellt der „Rahmenplan Gesundheitsbildung“ (1985) den Beginn der Wahrnehmung eines quantitativ erheblichen Angebotsbereichs dar, der binnen 20 Jahren eine Qualitätsoffensive insb. an Volkshochschulen folgte. Eine Fülle von Empfehlungen schließt an die Grundkonzeption des „Rahmenplans“ an und normiert die Bildungspraxis nicht formal, sondern öffnet für inhaltlich-qualitative Fortschritte ( → Qualitätsentwicklung). Im Einzelnen richten sich die entwickelten Instrumente z.B. auf die Planung, Ankündigung und Durchführung von Kursangeboten, auf die Auswahl und → Beratung von → Kursleitenden sowie auf die Auswertung von Bildungsprozessen. Kursleitermanuale und Handbücher für Teilnehmende wurden entwickelt, fanden allerdings nicht den gewünschten Absatz.

Bildungswissenschaftliche Implikationen des Lernfeldes Gesundheit sind nach wie vor kaum erschlossen. Ausnahmen verweisen auf den Konstruktionscharakter des Gesundheitsbegriffs und eröffnen eine systemstheoretische Betrachtung von → Lernen. Didaktische Herausforderungen des Lerngegenstands „körperliches, mentales und soziales Wohlbefinden“ (WHO) sind wissenschaftlich kaum diskutiert.

Stärkeren Einfluss erhalten dagegen gesundheitswissenschaftliche Themen wie „gesundheitliche Ungleichheit“, „Evidenzbasierung“ oder auch die Entstehung von Gesundheit im Ergebnis der Auseinandersetzung eines handelnden Menschen mit seinem Lebenskontext. Dass primär Frauen gesundheitsbezogene Lernbedürfnisse artikulieren, während Männer größere Lernbedarfe hätten, rechtfertigte, ebenso wie die Fokussierung von Lebensbedingungen, lange Zeit die weitgehende Ausgrenzung der Pädagogik aus den sich interdisziplinär definierenden Gesundheitswissenschaften. Mit dem Versuch, dem Geist der „health education“ zu folgen, scheint nun eine Renaissance der Gesundheitserziehung bevorzustehen. In diesem Zusammenhang wird eine stärkere Verankerung der Pädagogik in den Gesundheitswissenschaften gefordert (Wulfhorst 2009).

Literatur

  • Arbeitskreis Gesundheitsbildung (Hrsg.): Rahmenplan Gesundheitsbildung. Frankfurt a.M. 1985

  • Blättner, B.: Gesundheit lässt sich nicht lehren. Bad Heilbrunn/Obb. 1998

  • Wulfhorst, B.: Theorie der Gesundheitspädagogik. Weinheim/München 2002

  • Wulfhorst, B./Hurrelmann, K.: Handbuch Gesundheitserziehung. Bern 2009

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt