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Stefan Pfaff

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit

Mit dem Begriff g.B. werden alle Bildungsangebote und -maßnahmen bezeichnet, mit denen sich die Einzelgewerkschaften und ihr Dachverband, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), an ihre Mitglieder – seit einigen Jahren teilweise auch an interessierte Nicht-Mitglieder – und an ihre Mitarbeiter/innen wenden. Sie ist somit ein spezieller Teil der Arbeiterbildung.

„Gewerkschaftliche Bildungsarbeit als organisationsgebundene Bildungsarbeit hat mehrere Funktionen bzw. Aufgaben zu erfüllen: Sie soll Menschen an die Organisation heranführen und sie mit den Zielen und Aufgaben der Gewerkschaft vertraut machen. Sie will das aktive Eintreten für diese Zeile und die Mitarbeit in der gewerkschaftlichen Interessenvertretung fördern. Zugleich soll sie Mitglieder und Funktionäre für die Übernahme von Aufgaben in ihren Arbeits- und Lebensbereichen qualifizieren und sie bei der Bewältigung dieser Aufgaben beraten und unterstützen“ (Röder 2002).

Im Vergleich zur Gremienarbeit und zum Versammlungswesen der Gewerkschaften und in Abgrenzung zu deren politischen Aktivitäten ist g.B. der Versuch, zielgerichtet und methodisch abgesichert die Bildungsinteressen und -bedürfnisse der Teilnehmenden möglichst gut zu bedienen und dadurch der eigenen Organisation zu nutzen (in Form von Mitgliederbindung, Loyalitätssicherung u.ä.).

Das System g.B. ist in hohem Maße differenziert; Unterschiede beziehen sich z.B. auf:

  • den jeweiligen Träger (DGB, Einzelgewerkschaften, Bildungswerke, Vereine wie → Arbeit und Leben usw.),

  • die Formen der Angebote (Grundlagenbildung, Aufbauseminare, Themenseminare, Beratung u.ä.),

  • die angesprochene Zielgruppe (Betriebsräte/Obleute, Frauen, Jugend, Senior/inn/en),

  • die vorhandenen Finanzierungsmöglichkeiten (kostenlos, mit Eigenbetrag, Mischkalkulation).

Informationen über Veranstaltungen der g.B. sind bei den einzelnen Gewerkschaften, über den örtlichen DGB-Kreis oder im Internet zu finden.

In den zurückliegenden 40 Jahren hat es innerhalb der Gewerkschaften sehr heftig geführte Auseinandersetzungen darüber gegeben, wie das Spannungsverhältnis zwischen den von g.B. formulierten Organisationsinteressen auf der einen und den sich schnell verändernden Arbeits- und Lebenssituationen der Adressaten von g.B. auf der anderen Seite richtig auszutarieren sei. Ursachen für diese Auseinandersetzung waren zum einen interne Probleme (z.B. schwindendes Interesse an den Angeboten, Finanzierungsfragen). Zum anderen traf der in den 1970er Jahren rasant zunehmende soziokulturelle Wandel die Gewerkschaften: Es mussten schnell mehrheitsfähige Ideen und Konzepte entwickelt werden, um auf diese Wandlungsprozesse angemessen reagieren zu können.

Diese Auseinandersetzung ist insofern beendet, als in den letzten Jahren „kaum eine der bildungsaktiven Gewerkschaften darauf verzichtet (hat), neue didaktische Entwürfe oder Materialien zur Bildungsarbeit bzw. reformierte Konzeptionsentwürfe herauszugeben, (…) die darauf abzielen, die Subjektivitätsansprüche der Teilnehmenden sehr ernst zu nehmen“ (Johannson 1997). Die neuen Konzepte berücksichtigen eine geschlechtergerechte Didaktik ( → Gender und Erwachsenenbildung), verfolgen einen handlungsorientierten Ansatz ( → handlungsorientierte Didaktik) und sind oft modularisiert. Die Bildungsangebote werden mitgliedernah und für die jeweilige Zielgruppe maßgeschneidert (z.T. vor Ort und z.T. in zentralen Bildungsstätten) angeboten. Eine immer stärkere Rolle spielt die Evaluation und Zertifizierung der Angebote der g.B. Die Geschichte dieser Phase der g.B. ist anschaulich dargestellt bei Richert 1994.

Zukunftsorientierte g.B. hat die Selbst-Bildung ihrer Adressaten im Blick; ihre Ziele sind die Erweiterung der individuellen Handlungsfähigkeit der Subjekte in Politik (politische Handlungsfähigkeit), im Beruf (fachliche Handlungsfähigkeit) und in deren gewerkschaftlichem Engagement. Dementsprechend muss g.B. Angebote entwickeln, die sich auf folgende Dimensionen beziehen: Vermittlung (gewerkschafts-)politischer Orientierungen, Qualifikations- und Kompetenzerweiterung ( → Kompetenz), Berücksichtigung der Wünsche ihrer Teilnehmenden (Teilnehmerorientierung statt Schulung).

Literatur

  • Johannson, K.: Gewerkschaftliche Bildungsarbeit im Umbruch – Veränderungen der Arbeitsformen und Adressaten-Kreise in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit. In: Hessische Blätter für Volksbildung, H. 1, 1997

  • Richert, J.: (Hrsg.): Subjekt und Organisation – Neuorientierung gewerkschaftlicher Bildungsarbeit. Münster 1994

  • Röder, W.: Zwischen Effizienz und Utopie – gewerkschaftliche Bildungsarbeit vor neuen Herausforderungen. In: Röder, W./Dörre, K.: (Hrsg.): Lernchance und Marktzwänge: Bildungsarbeit im flexiblen Kapitalismus. Münster 2002

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt