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Roswitha Peters

Kursleitende – Dozenten – Teamer

K., D. und T. sind geläufige Bezeichnungen für das erwachsenenpädagogisch und didaktisch tätige → Personal in der organisierten EB/WB, das hauptsächlich in direkter Interaktion mit Lernenden deren Lernprozesse anregt und unterstützt, sie beim Lernen berät und begleitet, Wissen und Können lehrend, anleitend und unterweisend vermittelt, auf Lernen gerichtete Kommunikation, Erfahrungsaustausch- und Suchprozesse moderiert, Lernergebnisse beurteilt sowie Rückmeldungen zu Lernverhalten und individuell geeigneten Lernstrategien gibt.

Während die Bezeichnung K. vor allem in Volkshochschulen und kirchlichen Erwachsenenbildungseinrichtungen verwendet wird, ist der Begriff D. eher in Akademien und schulförmigen Einrichtungen gebräuchlich; die Bezeichnung T. dominiert in gewerkschaftlichen und in Jugendbildungseinrichtungen.

Nach einer repräsentativen Studie von 2005 (WSF), woraus alle im Folgenden verwendeten Daten stammen, sofern nicht andere Quellen angegeben werden, betrug zu diesem Zeitpunkt die Zahl der in der EB/WB – je nach enger oder weiter Definition – lehrenden Personen, zu denen neben K., D. und T. je nach Beschäftigungs-Institution oder beruflichem Selbstverständnis auch Referent/inn/en, Trainer/innen, Lernberater/innen, Lernbegleiter/innen, Tutor/inn/en, Weiterbildungslehrende und didaktisch tätiges Personal mit zahlreichen anderen Bezeichnungen gehören, zwischen 505.000 und 650.000; etwas mehr als die Hälfte davon sind Frauen. Der Anteil ehrenamtlich Lehrender lag bei knapp 10 %.

Die didaktische Kernaufgabe der organisierten EB/WB, das im unmittelbaren Kontakt mit Lernenden innerhalb didaktisch gestalteter Arrangements und lernförderlich ausgestatteter Lernumgebungen unterstützte Lernen, ist Gegenstand von 77,5 % bzw. 84,6 % aller Beschäftigungs- und Tätigkeitsverhältnisse in der WB.

Knapp zwei Drittel des auf diese Weise tätigen Personals nehmen ihre Aufgaben nebenberuflich wahr; bis auf Rentner/innen, Hausfrauen/männer oder Studierende übt es also einen anderen Hauptberuf aus. Damit besteht auch heute noch überwiegend die seit den Anfängen der organisierten Bildung Erwachsener entwickelte strukturelle Arbeitsteilung zwischen hauptberuflich ausgeübter Bildungs- und -Angebotsplanung, -Bedarfsermittlung, Bildungsberatung und Evaluation einerseits und nebenberuflicher Lehrtätigkeit und direkter Lernunterstützung andererseits.

Fast drei Viertel (73,2 %) aller Lehrenden der organisierten EB/WB im weiteren Sinne arbeitet auf Honorarbasis, nur 13,5 % sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ein knappes Viertel der Honorarkräfte unterhält Beschäftigungsverhältnisse bei mehreren Trägern, vor allem dann, wenn diese die einzige Einkommensquelle darstellen. Die Einkommenssituation dieser Beschäftigten, überwiegend Frauen, ist häufig prekär, weil kaum existenzsichernd. Die traditionell vergleichsweise niedrigen Honorare Lehrender in diesem Arbeitsmarktsegment und die mit der Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik (Hartz-Reformen) verbundenen Entlassungen und Honorarkürzungen in der beruflichen WB bewirken eine insgesamt überwiegend ungünstige wirtschaftliche und arbeitsrechtliche Lage von K., D. und T.

Dennoch sind die weitaus meisten Lehrenden mit ihren Arbeitsbedingungen offenbar zufrieden und für ihre erwachsenenpädagogischen und didaktischen Tätigkeiten hoch motiviert (95 %).

Die meisten Beschäftigungs- und Tätigkeitsverhältnisse des lehrenden und lernunterstützenden Personals in der EB/WB im weiteren Sinne gab es 2005 in Privatunternehmen, gefolgt von den Volkshochschulen, Vereinen, kirchlichen Trägern und Kammern/arbeitgebernahen Trägern.

Dieser Beschäftigungsstruktur entsprechen die Anteile der größten Themenfelder, in denen Lehrende tätig sind: Arbeit und Beruf (23 %), Gesundheit und Ernährung (21 %), Organisation, Management (19 %), Wirtschaft, Recht (18 %), Familie, Gender, Erziehung, Lebensgestaltung (17 %). Hauptberufliche K., D. und T. sind häufiger mit den Themen der beruflichen WB befasst, während in den „privaten“ Themenfeldern nebenberuflich Lehrende dominieren.

Obwohl die lehrend und lernunterstützend Tätigen eine Schlüsselfunktion für die Weiterbildungsqualität haben, sind sie aufgrund ihres arbeitsrechtlichen Status und der daher geringen Integration in ihre Beschäftigungsorganisationen offenbar bisher nur wenig in deren Qualitätsmanagement- und sicherungsprozesse eingebunden. Dies würdigt allerdings nicht die Bedeutung und Verantwortung ihrer didaktischen Arbeit für die Lernerfolge der Klientel, die wiederum einen image-relevanten Faktor darstellen, dessen Schlüsselfunktion bereits bei der Einstellungs- und Personalentwicklungspraxis der Arbeit- und Auftraggeber unterschätzt zu werden scheint (Heuer/Gieseke 2006); denn wenn die erwachsenenpädagogische und didaktische Qualität organisierter Bildung Erwachsener sich insb. in Lehr-Lernsituationen erweist, gelingendes und nachhaltiges Lernen durch K., D. und T. ermöglicht und entscheidend mitbestimmt wird, dann wäre nicht nur ihre kontinuierliche Einbeziehung in die Qualitätsentwicklung und -sicherung notwendig, sondern auch deren erwachsenenpädagogische und didaktische Qualifikation, Kompetenz und Fortbildung eine unverzichtbare Voraussetzung von Beschäftigung und erwachsenenbildnerischer Professionalität (Peters 2004).

Zwar hatten im Jahr 2005 knapp drei Viertel der Lehrenden in der EB/WB (73 %) eine akademische Ausbildung, doch immerhin waren 34 % aller Lehrenden pädagogisch nicht qualifiziert, obwohl sie pädagogisch tätig waren. 19 % der befragten Lehrenden hatten ein Lehramtsstudium absolviert, weitere 19 % besaßen einen anderen pädagogischen Hochschulabschluss. An trägerspezifischen Fortbildungen hatten 21 % teilgenommen, und 28 % verfügten über eine „andere didaktische Ausbildung“, z.B. im Rahmen der Vorbereitungskurse für die Meisterschule im Handwerk.

Über das berufliche Aufgaben- und Rollenverständnis von lehrend und unmittelbar lernunterstützend tätigem Personal in der EB/WB sind keine repräsentativen empirischen Forschungsergebnisse bekannt. Nach einer 2001 veröffentlichten, nicht repräsentativen Befragung von K. sahen diese sich entweder als Fachexperten, die es als ihre Hauptaufgabe verstanden, Fachwissen weiter zu geben, oder als Methodenexperten, die sich als Lernprozess-Gestalter und -begleiter begriffen, bzw. als Gesprächspartner, die einen sozialen Ort für Gespräche zu schaffen für das Wesentliche ihrer Tätigkeit hielten (Hof 2001). Auch K., die einige Jahre zuvor befragt worden waren, verstanden sich als fach-, prozess- oder persönlichkeitsorientiert (Bastian 1997).

Das zumeist unmittelbar personenbezogene, erwachsenenpädagogische und didaktische Handeln von K., D. und T. ist im Hinblick auf die Professionalisierung des EB/WB-Personals trotz vielfältiger Fortbildungsangebote sowohl von Arbeit- und Auftraggebern als auch von Hochschulen, Verbänden und anderen Institutionen bisher wissenschaftlich und berufspraktisch eher wenig beachtet und auch wenig erforscht worden; das Hauptinteresse galt vielmehr dem quantitativ weitaus geringeren Teil des überwiegend mit makrodidaktischen Tätigkeiten und Bildungsmanagement beschäftigten, hauptberuflich tätigen pädagogischen Personals. Darin liegt eine gewisse Folgerichtigkeit, denn die überwiegend nebenberuflich und in der Regel nur durchschnittlich acht Jahre ausgeübte Tätigkeit von K., D. und T. vermag offenbar nicht hinreichend zu aufwendigen und längerfristig angelegten Professionalisierungs- und Forschungsanstrengungen zu motivieren.

Inwieweit K., D. und T. über erwachsenenpädagogische Professionalität verfügen, ist weitgehend unbekannt, die Vorstellungen davon sind sehr heterogen. „Während es für andere Bildungsbereiche (Vorschule/Schule) mittlerweile definierte Qualifikationsstandards und detaillierte Kompetenzbeschreibungen gibt, fehlen diese für den Weiterbildungsbereich in Deutschland noch weitgehend, so dass in der WB im Prinzip jede/r tätig werden kann“ (Kraft u.a. 2009).

Auf die Frage nach den für sie wichtigsten Aspekten ihrer Tätigkeiten nannten im Jahr 2005 befragte K., D. und T. u.a.: Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit des Lehrens, angenehme Atmosphäre in den Lehrveranstaltungen, angenehmes Betriebsklima in der Einrichtung, eigene inhaltliche Gestaltung von Lehrveranstaltungen, interessante und vielseitige Tätigkeit, Offenheit von Trägern bzw. deren Leitungen für neue Konzepte.

Die geringe Transparenz von Beschäftigungskriterien für K. D. und T., die Heterogenität ihrer Qualifikationen, Kompetenzen und beruflichen Aufgabenverständnisse, die für sie nicht verbindliche Fortbildung, die nur schwache Integration in Institutionen und deren Qualitätssicherung/-management, die vergleichsweise geringe Honorierung und sehr unzureichende soziale Absicherung begründen einen bis heute andauernden „fragilen Status“ (Schrader 2001) dieser weitaus größten Beschäftigten-Gruppe in der EB/WB.

Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die Schlüsselfunktion von K., D. und T. für die Qualität der Prozesse und Ergebnisse lebenslangen Lernens immer stärker in das Blickfeld von EB/WB-Institutionen sowie der nationalen und europäischen Bildungspolitik gerät (Kraft u.a. 2009, Pielorz 2009).

Literatur

  • Bastian, H.: Kursleiterprofile und Angebotsqualität. Bad Heilbrunn/Obb. 1997

  • Heuer, U./Gieseke, W. (Hrsg.): Pädagogisches Wissen für die Weiterbildung. Fortbildungsbedarf und Personalentwicklung. Oldenburg 2006

  • Hof, C.: Konzepte des Wissens – Eine empirische Studie zu den wissenstheoretischen Grundlagen des Unterrichtens. Bielefeld 2001

  • Kraft, S./Seitter, W./Kollewe, L.: Professionalitätsentwicklung des Weiterbildungspersonals. Bielefeld 2009

  • Peters, R.: Erwachsenenbildungs-Professionalität. Ansprüche und Realitäten. Bielefeld 2004

  • Pielorz, M.: Personalentwicklung und Mitarbeiterführung. Bielefeld 2009

  • Schrader, J.: Wechselnde Verantwortung, fragiler Status: Zur Situation der Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung. In: Heuer, U./Botzat, T./Meisel, K. (Hrsg.): Neue Lehr- und Lernkulturen in der Weiterbildung. Bielefeld 2001

  • WSF: Erhebung zur beruflichen und sozialen Lage von Lehrenden in Weiterbildungseinrichtungen. Schlussbericht. Kerpen 2005. URL: www.bmbf.de/pub/berufliche_und_soziale_lage_von_lehrenden_in_weiterbildungseinrichtungen.pdf (Stand: 11.11.2009)

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt