Banner: Köpfe

Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Sigrid Nolda

Programme

Bildungsp. sind mehr oder weniger umfangreiche Dokumente (die Spannbreite reicht von der buchähnlichen Broschüre bis zum Handzettel), die in Veranstaltungsankündigungen primär Auskunft über das jeweils geplante Bildungsangebot ( → Angebote) eines Anbieters und die Modalitäten einer Teilnahme geben. Eine immer größere Rolle spielen Varianten, die vollständig oder in verkürzter Form über das Internet verfügbar sind. Für die Adressaten von Bildungsangeboten bildet das P. einer → Einrichtung mit den Ankündigungen der geplanten Veranstaltungen als Leistungsversprechen eine wichtige Quelle der Information und der Entscheidungshilfe. Das P. ist nach wie vor das wichtigste Werbe- und Informationsmittel, das neue Teilnehmende gewinnen und die Institution repräsentieren soll ( → Marketing). Es hat deshalb immer wieder Versuche gegeben, dieses Mittel – vor allem im Bereich der → Volkshochschulen – zu vereinheitlichen und zu verbessern.

Bildungsp. stellen für Anbieter eine wichtige Planungs- und Realisierungsaufgabe dar, die zudem zur Legitimierung gegenüber Geldgebern und politisch Verantwortlichen eingesetzt werden kann. Um ein P. zu erstellen, bedarf es einer Balancierung zwischen dem festgestellten und vermuteten Bedarf, dem Bildungsanspruch der Institution und den personellen, räumlichen und finanziellen Ressourcen einer Einrichtung ( → Programmplanung). P. stellen somit auch einen Tätigkeitsnachweis dar, der unter verschiedenen Aspekten bewertet werden kann (Breite und/oder Tiefe des P., → Zielgruppen, Kooperationen, Kontinuität vs. Innovation u.ä.). Der Prozess der Programmplanung wird als eher indirekte Wechselwirkung zwischen Angebot und Nachfrage, als Antizipation von Teilnehmerbedürfnissen, als Marketingstrategie oder in Abgrenzung dazu als pädagogisches Programmplanungshandeln (Gieseke 2003) verstanden.

Neben dem unmittelbaren Nutzen für Adressaten und der Bedeutung als Marketing-Instrument geben P., auch wenn ihnen lediglich das geplante, nicht das tatsächlich durchgeführte Angebot zu entnehmen ist, Aufschlüsse über Entwicklungen und können als Analysegegenstand verwendet werden. Das gilt insb. dann, wenn P. bzw. Programmteile mehrerer vergleichbarer Institutionen über einen größeren Zeitabschnitt vergleichend untersucht werden. Solche Untersuchungen werden von unterschiedlicher Seite mit unterschiedlichen Verfahren durchgeführt. Sie reichen von der Zusammenstellung kopierter Ankündigungstexte zu Kursen eines bestimmten Themenbereichs innerhalb einer Region über repräsentative Auswertungen im gesamten Bundesgebiet bis zur differenzierten qualitativen Analyse einzelner Ankündigungstexte oder Vorworte. Im Vordergrund steht das Interesse am Status quo und damit an den künftigen Aufgaben oder Entwicklungsmöglichkeiten des Angebots. Eher selten ist die Nutzung solcher Texte als Quellen, die Auskünfte über die Geschichte der EB enthalten bzw. zur Interpretation Anlass geben.

Von 1962 bis 2004 sammelte das → Deutsche Institut für Erwachsenenbildung bundesweit die P. von Volkshochschulen – ein Fundus, der zu zahlreichen kleineren und größeren Untersuchungen genutzt wurde und wird. Die Auswertungsmöglichkeiten reichen von der statistischen über die inhaltsanalytische bis zur hermeneutischen Text- und Bild-Analyse (Nolda/Pehl/Tietgens 1998). Programmanalysen als Beispiele von Dokumentenforschung können Aufschlüsse geben über den Stand und die Entwicklung von Bildungsangeboten und damit über Veränderungen des Weiterbildungssystems (Schlutz/Schrader 1997), über Möglichkeiten der Früherkennung und Steuerung, über die Selbstdarstellung von Anbietern und die Ansprache von Adressaten sowie über die jeweils zeittypische Konstruktion von Bildungsinhalten.

Während der Bereich der Volkshochschulen – auch über Einrichtungs- und Stadtarchive – gut zugänglich ist, stellt die Beschaffung von P. anderer Träger, vor allem auch der → betrieblichen Bildung, ein Problem dar. Hinzu kommt, dass die Entwicklung im Bereich der beruflich-betrieblichen Bildung weg vom festen P. und hin zu einem auf kurzfristige Bedarfe abzielenden Angebot geht. Auch die steigende Zahl von kleineren, lokal agierenden Bildungseinrichtungen sowie die Tendenz, Bildungsveranstaltungen für Erwachsene in Organisationen anzubieten, die Bildung nicht als Hauptzweck, sondern zusätzlich betreiben, erschwert die Materialsuche. Generell erfassen P. lediglich den Bereich der non-formalen und formalen EB, nicht aber den Bereich der informellen und die nach dem Agenturmodell arbeitende EB.

Angesichts der Verbreitung des Internet und der Europäisierung stellen die Archivierung von digitalisierten P. sowie die vergleichende Analyse von den deutschen Raum überschreitenden P. aktuelle Herausforderungen dar.

Literatur

  • Gieseke, W.: Programmplanungshandeln als Angleichungshandeln. In: Dies. (Hrsg.): Institutionelle Innensichten der Weiterbildung. Bielefeld 2003

  • Käpplinger, B.: Programmanalysen und ihre Bedeutung für pädagogische Forschung. In: Forum Qualitative Sozialforschung, H. 1, 2008. URL: www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/333/727 (Stand: 15.11.2009)

  • Nolda, S.: Paradoxa von Programmanalysen. In: Gieseke, W. (Hrsg.): Institutionelle Innensichten der Weiterbildung. Bielefeld 2003

  • Nolda, S./Pehl, K./Tietgens, H.: Programmanalysen. Programme der Erwachsenenbildung als Forschungsobjekte. Frankfurt a.M. 1998

  • Schlutz, E./Schrader, J.: Systembeobachtung in der Weiterbildung. In: Zeitschrift für Pädagogik, H. 6, 1997

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt