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Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Hannelore Bastian & Gundula Frieling

Volkshochschulen

VHS sind Einrichtungen der öffentlichen EB, die sich in Deutschland Ende des 19. Jh. unter dem Einfluss der dänischen Heimvolkshochschulbewegung (Grundtvig), aus den Veranstaltungen der Arbeiter- und Handwerkerbildungsvereine und den volkstümlichen Hochschulkursen der Universitäten entwickelt haben. Die große Anzahl von Neugründungen mit Entstehung der Weimarer Republik war verbunden mit dem Ziel der Aufklärung und Kenntnisvermittlung als Beitrag für die neue demokratische Gesellschaftsordnung.

War die dominierende Veranstaltungsform zuvor der klassische Vortrag, wurde nun die → Arbeitsgemeinschaft als neue aktivierende Lernform praktiziert, die der Idee der sozialen und politischen Integration angemessen erschien. Die vorherrschende Organisationsform war die Abend-VHS mit Veranstaltungen im Wochenrhythmus, hinzu kamen Heim-VHS, die auch heute noch (teils in privater Trägerschaft) Langzeitkurse für bestimmte Adressatenkreise anbieten.

2006 gab es in Deutschland 974 VHS und 2.880 regionale Außenstellen in Stadtteilen oder ländlichen Gebieten. Etwa 600 VHS sind in kommunaler Trägerschaft organisiert (Städte, Gemeinden, Landkreise oder Zweckverbände), 325 sind eingetragene Vereine, die übrigen VHS haben spezielle → Rechtsformen, sie arbeiten in privater Trägerschaft oder als GmbH. Unabhängig von der Rechtsform arbeiten die VHS als kommunale Weiterbildungszentren und tragen zur lokalen Daseinsvorsorge bei.

Galt noch vor zehn Jahren, dass knapp die Hälfte der Finanzierung durch öffentliche Zuschüsse von Kommunen und Ländern gesichert wurde, ist dieser Anteil inzwischen auf rund 40 % gesunken. Im Gegenzug sind Drittmittel (SGB III-Mittel, Bundes- und EU-Mittel) auf einen Finanzierungsanteil von etwa 20 % angestiegen. Der bundesdurchschnittliche Einnahmeanteil aus Teilnahmegebühren ist mit knapp 40 % relativ stabil.

Das → Personal der VHS setzt sich zusammen aus 631 Leitenden, ca. 3.200 hauptberuflich pädagogisch Beschäftigten und ca. 3.700 Verwaltungsmitarbeitenden. Der überwiegende Teil der → Veranstaltungen (648.000 in 2006) wird von annähernd 200.000 Honorarkräften durchgeführt. Mit 15,2 Mio. Unterrichtsstunden und 8,9 Mio. Belegungen ist das Leistungspotenzial der VHS trotz sinkender Personalkapazität im pädagogischen Bereich in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.

Kennzeichen der VHS-Arbeit ist ihre prinzipielle Offenheit für alle, die durch weltanschauliche und parteipolitische Unabhängigkeit, wohnortnahe Angebote und eine kostengünstige Preisgestaltung gesichert wird. Die große Bandbreite der → Angebote in den Programmbereichen: Politik – Gesellschaft – Umwelt, Kultur – Gestalten, Gesundheit, Sprachen, Arbeit – Beruf, Grundbildung – Schulabschlüsse ist ausgerichtet an den Orientierungs-, Bildungs- und Qualifizierungsinteressen der → Teilnehmenden. Sie dienen der Entfaltung individueller Potenziale, beruflicher WB und Qualifikationsanpassungen und tragen zur gesellschaftlichen Integration bei. Mit Kursangeboten im Bereich Alphabetisierung/Grundbildung und Nachholen von Schulabschlüssen bieten VHS auch bildungsbenachteiligten Zielgruppen eine zweite Chance. Seit Inkrafttreten des „Zuwanderungsgesetzes“ arbeiten sie flächendeckend als Träger für Integrationskurse. Zertifikate spielen vor allem in den Fremdsprachen (z.B. die „telc Sprachenzertifikate“) und in der beruflichen Bildung (z.B. „Xpert-Zertifikate“) eine Rolle und tragen dem Interesse an anerkannten Leistungsnachweisen Rechnung.

Auch die VHS selbst haben sich in den letzten Jahren mehrheitlich Zertifizierungsprozessen für ihre Qualitätsentwicklung und -sicherung (sowohl im pädagogischen wie im Servicebereich) unterzogen und damit auch auf die veränderte Marktsituation in der WB reagiert. Um in diesem sich differenzierenden Weiterbildungsmarkt wettbewerbsfähig agieren zu können, müssen VHS als leistungsfähiges kommunales Bildungszentrum auftreten, erfolgreich Projekte und Aufträge akquirieren und die Notwendigkeit wirtschaftlichen Erfolgs mit ihrem bildungspolitischen Auftrag ausbalancieren.

Programmbereichsübergreifende Angebote (z.B. „Junge VHS“, Seniorenbildung, interkulturelles Lernen), zielgruppen- und milieuspezifische sowie maßgeschneiderte (Firmen-)Angebote ergänzen das traditionelle Kursangebot ebenso wie E-Learning- und Blended-Learning-Angebote, die teilweise in die Arbeit neu konzeptionierter „Lernzentren“ integriert werden. VHS nehmen neue Dienstleistungsfunktionen wahr, etwa in der Lernberatung oder als Initiatoren und Moderatoren lokaler Netzwerke und Kooperationen (z.B. im Programm „Lernende Regionen“). Innerhalb der „kommunalen Bildungslandschaften“ wollen VHS ihren Beitrag zu einem kohärenten Bildungs- und Übergangsmanagement leisten.

Literatur

  • DIE: Volkshochschul-Statistik. Frankfurt a.M. 1965-2008 (erscheint jährlich, seit 1997 als Online-Veröffentlichung)

  • DIE: Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse 2008. Bielefeld

  • Meisel, K. u.a. (Hrsg.): Organisatorischer Wandel an Volkshochschulen. Frankfurt a.M. 1997

  • Oppermann, D./Röhrig, P. (Hrsg.): 75 Jahre Volkshochschule. Bad Heilbrunn 1994

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt