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Horst Siebert

Identität

Von I. ist in unterschiedlichen Wortkombinationen die Rede: „Ich-I.“, „soziale I.“, „kulturelle und nationale I.“, „I. einer Wissenschaftsdisziplin“, „corporate identity“, „I. der Geschlechter“ usw. Fast immer geht es um Selbstbild und Selbstverständnis, um das Besondere, aber auch um das Beständige.

In der EB wird dieser Begriff als Identitätslernen, Identitätsfindung und Bewältigung von Identitätsproblemen im Zusammenhang mit → biographischem Lernen und → Subjektorientierung verwendet. Ziel dieser Bildungsarbeit ist die Reflexion der eigenen Lebensgeschichte sowie die Erweiterung der Möglichkeiten des Denkens und Handelns.

In den 1980er Jahren nach der „realistischen Wende“ und dem gesellschaftskritischen Paradigma wurde von einer „subjektiven Wende“ der EB gesprochen. Doch schon bald warnte H. Tietgens davor, Qualifikationslernen ( → Qualifikation) und Identitätslernen gegeneinander auszuspielen. Zu warnen war auch vor einer Psychologisierung des Bildungsbegriffs ( → Bildung), d.h. vor einer Beschäftigung mit dem Selbst ohne eine Beschäftigung mit der außersubjektiven Wirklichkeit.

In der beginnenden Individualisierungsdiskussion wurde einerseits der „subjektive Faktor“ (u.a. im Kontext der „neuen sozialen Bewegungen“) auch von den Sozialwissenschaften wiederentdeckt, andererseits wurde die harmonische, in sich stimmige I. als brüchig und problematisch wahrgenommen. So wurde Identitätslernen häufig mit Identitätskrisenbewältigung gleichgesetzt. Beachtung fanden E. Eriksons Lebensphasenmodell und seine These, dass eine persönliche Entwicklung die produktive Auseinandersetzung mit Identitätskrisen erfordert. Interesse fand auch die Veröffentlichung vor allem der amerikanischen Forschungsergebnisse über „kritische Lebensereignisse“ („critical life events“) durch S.H. Filipp. O. Negt (1988) sprach von dem „Umgang mit gebrochener Identität“ als einer neuen gesellschaftlichen → Schlüsselqualifikation. Die Diagnose der Individualisierungsprozesse zeigt, dass sich die Normalbiographien auflösen und dass „Bastelbiographien“ („Patchwork-I.“) zum Normalfall werden.

Bildungsaktivitäten sind in mehrfacher Hinsicht identitätsrelevant:

  • Jede sinnvolle Bildungsaktivität bereichert und erweitert das Selbstkonzept; → Lernen ist Bestandteil der I.

  • In vielen Seminaren werden existentielle, generative Themen diskutiert, I. besteht auch aus dem

  • individuellen „thematischen Universum“.

  • EB kann durch die Erörterung „kritischer Lebensereignisse“ das Repertoire an „Coping-Strategien“ erweitern, z.B. Umgang mit Krankheiten, Arbeitslosigkeit u.Ä.

  • Kursleitende und → Teilnehmende „inszenieren“ im Seminar ihre I., sie erproben neue Verhaltensmuster.

Identitätslernen erfordert eine reflexive Vergewisserung der eigenen Lebensgeschichte und ist daher eng mit → biographischem Lernen und → Erfahrungsorientierung verknüpft.

Literatur

  • Erikson, E.: Identität und Lebenszyklus. Frankfurt a.M. 1966

  • Erpenbeck, J./Heyse, V.: Die Kompetenzbiographie. Münster 1999

  • Filipp, S.H.: Kritische Lebensereignisse. München 1981

  • Krüger, H.H./Marotzki, W. (Hrsg.): Handbuch erziehungwissenschaftliche Biographieforschung. Opladen 1999

  • Negt, O.: Alternative Schlüsselqualifikationen. In: Report. Literatur- und Forschungsreport Weiterbildung, H. 22, 1988

  • Siebert, H.: Theorien für die Praxis. Bielefeld 2006

  • Tietgens, H.: Die Erwachsenenbildung. München 1981

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt