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Wolfgang Wittwer

Betriebliche Bildung

Mit dem Begriff b.B. wird versucht, die Vielfalt und Vielschichtigkeit der Bildungsarbeit in Betrieben in einem Wort zusammenzufassen. Zum Begriff b.B. gehört

  • der Ort, an dem die Bildungsarbeit stattfindet: der Betrieb,

  • die Art der Bildungsmaßnahme, die von den Betrieben durchgeführt werden: die Ausbildung und WB,

  • das besondere didaktische Prinzip der betrieblichen Bildungsarbeit: der Praxisbezug,

  • die Intention der Bildungsmaßnahme: die Qualifizierung der Mitarbeiter/innen zur Erreichung des Betriebsziels.

Aufgrund der historischen Entwicklung wird b.B. auch heute noch als Synonym für „betriebliche Ausbildung“ verwendet. Diese Gleichsetzung gilt jedoch schon lange nicht mehr. Die b.B. beinhaltet auch die betriebliche WB, einen Bereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. In sehr vielen Betrieben ist mittlerweile der Etat für WB höher als der für die Ausbildung.

Im Gegensatz zur betrieblichen Ausbildung besitzt die betriebliche WB eine kurze Tradition. Sieht man einmal von den wandernden Handwerksgesellen im Mittelalter sowie von Initiativen einzelner Unternehmer ab, die es seit dem 18. Jh. gibt, dann gewann die betriebliche Weiterbildungsarbeit erst nach 1945 an Bedeutung. Ein wesentlicher Impuls ging von dem aus Amerika importierten TWI-System („Training Within Industry“) aus. Der Aufschwung verstärkte sich in den 1960er Jahren und hält bis heute an.

Gründe für das verstärkte Engagement der Betriebe in der WB sind vor allem die technische und gesellschaftliche Entwicklung, der immer schneller werdende Prozess der Wissenserneuerung, der Mangel an qualifizierten Fachkräften, die immer häufigeren Wechsel von Tätigkeit, Arbeitsplatz, Beruf sowie die veränderten Arbeits- und Organisationskonzepte, die von den Erwerbstätigen neue → Qualifikationen/Kompetenzen verlangen ( → Schlüsselqualifikationen).

Allgemeines Ziel der betrieblichen WB ist es, dem Unternehmen dasjenige Potenzial an Arbeitskräften zur Verfügung zu stellen, das zur Erreichung des Betriebsziels erforderlich ist. Dazu wird beruflich-fachliches wie überberufliches Wissen (Schlüsselqualifikationen) vermittelt. In letzter Zeit wird die betriebliche Weiterbildungsarbeit verstärkt in Konzepte der → Personalentwicklung bzw. Organisationsentwicklung ( → Organisation) eingebunden.

Die WB der Mitarbeiter/innen kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Sie kann von dem Betrieb selbst organisiert und in eigener Verantwortung durchgeführt werden – man spricht in diesem Fall von innerbetrieblicher WB. Schickt ein Unternehmen einzelne Mitarbeiter/innen zu externen Bildungsträgern, dann handelt es sich um eine außerbetriebliche WB. Von dieser Form der WB machen vor allem Klein- und Mittelbetriebe Gebrauch, für die sich aufgrund der geringen Belegschaftszahl eigene Weiterbildungsmaßnahmen nicht lohnen. Aber auch Großbetriebe nutzen die außerbetriebliche WB, z.B. dann, wenn nur einzelne Mitarbeiter/innen für die Qualifizierung infrage kommen.

Zur b.B. gehören allerdings nicht nur die institutionalisierten, sondern auch die informellen Lernprozesse. Diese erfolgen teils ungeplant und ohne pädagogische Absicht am Arbeitsplatz, z.B. durch die technische und soziale Gestaltung des Arbeitsprozesses oder durch → Aneignung ( → Aneignung – Vermittlung) von Erfahrung, teils geplant, indem die Mitarbeiter/innen sich selbstständig eine Lösung erarbeiten. → Informelles Lernen in diesem Sinn ist als selbstgesteuertes Lernen zu verstehen. Aufgrund des individuellen Lebensweltbezugs des informell Gelernten kann dieses schnell und nachhaltig in die Wissens- und Erfahrungsstruktur des Lernenden integriert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Lernprozesse (Lernanlass, -bedingungen und Lernergebnis) reflektiert und damit bewusst werden. Über diese Reflexionsprozesse kann zugleich das informell Gelernte mit über formelle Lernprozesse aufgebautem Theorie- und systematisiertem praktischem Wissen integriert werden. Informelles Lernen wird als eine wichtige Basis für Kompetenzentwicklung gesehen.

Literatur

  • Gonon, P./Stolz, S. (Hrsg.): Betriebliche Weiterbildung. Bern 2004

  • Schiersmann, C.: Berufliche Weiterbildung. Wiesbaden 2007

  • Wittwer, W./Kirchhof, S. (Hrsg.): Informelles Lernen und Weiterbildung. Neue Wege zur Kompetenzentwicklung. München/Unterschleißheim 2003

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt