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Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Ortfried Schäffter

Veranstaltungen

Wenn man nach einer strukturellen Bestimmung von institutionalisiertem → Lernen im Erwachsenenalter sucht, bietet es theoretische Vorteile, auf eine Unterscheidung von Tietgens (1983) zurückzukommen. Es fragt sich dann, ob für Lernen eigens eine V. konzipiert und „durchgeführt“ wird oder man darauf verzichten und Lernen beiläufigen alltagsgebundenen Prozessen überlassen kann. In diesem Verständnis erweist sich der Begriff V. als konstitutive Kategorie. Sie ist durch ein speziell didaktisiertes Arrangement gekennzeichnet, mit dem eine Organisationsstruktur für unterschiedliche, lernförderliche Situationen als pädagogischer Planungs- und Gestaltungsrahmen bereitgestellt werden kann. Obwohl gegenwärtig das Marktmodell und damit V. im Sinne von Weiterbildungsangeboten als Normalform gelten, beschränkt sich der Begriff nicht auf „angebotsförmige“ → Bildung. Er umfasst darüber hinaus auch andere Muster des Zustandekommens, wie z.B. → Fortbildungsv. ohne Angebotscharakter im Rahmen von Organisationen bzw. selbstorganisierte V. in sozialen Milieus oder sozialen Bewegungen. Als Bestimmungsmerkmal jeder Bildungsv. kann gelten, dass sie als Lernarrangements sachlich, sozial und zeitlich ausdifferenziert ist und hierdurch funktionale Kontextgrenzen zu ihrer sozialen Umwelt aufbaut. Diese Differenz zu nicht-pädagogischen Umwelten hat sich als lernförderlich zu legitimieren, bezieht hieraus ihre Motivierungen für Bildungsadressaten sowie die Finanzierungsvoraussetzungen bei Auftraggebern.

Als Planungskategorie der EB lassen sich V. in der Staffelung → didaktischer Handlungs- und Entscheidungsebenen nach „oben“ von der Aufgabenbereichs- und → Programmplanung und nach „unten“ von der Vorbereitung für Lerneinheiten, wie Sitzung, Kursstunde, Lehrgangsblock usw. abgrenzen. Eine solche Abgrenzung verdeutlicht differente pädagogische Handlungskontexte und die jeweils beteiligten Akteursgruppen. Während in der → Programmplanung im Rahmen von „Bildungsmanagement“ die → Kursleitenden noch zur Disposition stehen, wird die Veranstaltungsplanung von ihnen bzw. unter ihrer Beteiligung durchgeführt und kann ihre Voraussetzungen bereits als Planungsvorgaben berücksichtigen. Im Gegensatz zur Stundenvorbereitung hat sich Planung von Weiterbildungsv. dem konstitutiven Strukturproblem der EB zu stellen, dass sich Erfolg und Misserfolg zunächst und vor allem daran zeigen, ob V. überhaupt „zustande kommen“. Es geht um ein deutliches und werbewirksames Ansprechen von Adressatengruppen, um sie zur Weiterbildungsteilnahme zu bewegen. Insofern ist Veranstaltungsplanung immer auch Bestandteil der → Öffentlichkeitsarbeit einer Weiterbildungseinrichtung und bildet eine institutionelle Schlüsselsituation in der Zusammenarbeit zwischen haupt- und nebenberuflichen Mitarbeitenden.

Im Rahmen der Institutionalisierung haben sich Veranstaltungsformen herausgebildet, die sich wie folgt akzentuieren:

  • Sozial geht es um spezifische Angebotsmuster, in denen bereits → Sozialformen des → Lehrens und → Lernens signalisiert werden, wie z.B. Gesprächskreis, Seminar, Studienzirkel, Vortrag, Studienreise, Lehrgang, (Fort-)Bildungsmaßnahme.

  • Sachlich erfährt der intendierte Lerngegenstand in einer konzeptionellen Bestimmung von V. eine besondere Betonung, wie → Arbeitsgemeinschaft, Workshop, Training, Projekt ( → Projektlernen), Praxisberatung/Praxiserkundung ( → Beratung), Rollenspielseminar, Planspiel, Zukunftswerkstatt.

  • Mit dem Merkmal der Zeitorganisation reagiert Veranstaltungsplanung auf temporale Verknüpfungsprobleme lebensbegleitenden Lernens, z.B. Kurs (meist Gliederung von 90-Min.-Einheiten im Wochenrhythmus), Wochenseminar, Wochenendseminar, Blockv., Tagung, Konferenz, zielgruppenbezogene „Zeitfenster“ (für Schichtarbeiter/innen, Senior/inn/en, Mütter).

Bei der Veranstaltungsvorbereitung unterscheidet Dikau (1974) zwischen Ankündigungs-, Eröffnungs-, Strukturierungs- und Gestaltungsphase. Zur mikro-didaktischen Gestaltung orientiert man sich an curricularen Elementen und Planungsgesichtspunkten, wie Lernzielen, Lerninhalten, Teilnehmervoraussetzungen, Verwendungsbereich und Verwendungssituationen, Voraussetzungen der Kursleitenden, geeigneten Interaktionsmustern, Konzeptionen, → Methoden und Medien ( → Medien in Lehr-Lernprozessen) sowie institutionellen Rahmenbedingungen der V.

Über eine didaktische Gestaltung der einzelnen Lehr-/Lerneinheiten hinaus ist die „Gesamtartikulation“, also die V. in ihrem beabsichtigten Prozessverlauf zu beachten, so stellen sich Fragen, wie etwa: „Wo fangen wir an? Wo liegen die Schwerpunkte? Wo hören wir auf?“ Geißler (1983) gibt viele Anregungen in Bezug auf die Bedeutung der Anfangssituation, aber auch für die „Suche nach dem guten Ende“. Veranstaltungsplanung meint das Gegenteil einer perfektionierten Programmierung. Sie ist vielmehr ein Rahmen, in dem Vorentscheidungen transparent und Gestaltungsfreiräume sowie Partizipationserwartungen der Teilnehmenden verdeutlicht werden.

Literatur

  • Dikau, J.: Arbeitsbogen für die Planungsvorbereitung. In: Tietgens, H.: Zur Beobachtung von Weiterbildungsprozessen. Braunschweig 1974

  • Geißler, K.A.: Anfangssituationen. München 1983

  • Tietgens, H.: Veranstaltetes und selbstinitiiertes Lernen. In: Heger, R.-J. u.a. (Hrsg.): Wiedergewinnung von Wirklichkeit. Freiburg 1983

  • Schäffter, O.: Veranstaltungsvorbereitung in der Erwachsenenbildung. Bad Heilbrunn 1984

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt