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Heino Apel

Mediation

Der in den 1970er Jahren in den USA geprägte Begriff M. bedeutet „Vermittlung“ und beschreibt ein Verfahren zur freiwilligen, kooperations- und konsensorientierten Konfliktregelung, zu der eine unparteiische dritte Person, die über keine Entscheidungsmacht verfügt, unterstützend herangezogen wird.

In Deutschland gibt es verbreitete Anwendungen bei Familienzwistigkeiten, in Schulen (Gewaltfragen), bei Täter-Opfer-Ausgleichen, in der Wirtschaft und bei Umweltkonflikten. Für größere Konfliktfälle (z.B. im Umweltbereich) ist M. in den USA recht verbreitet, weil sie zu einvernehmlichen Lösungen bei Vermeidung hoher Gerichtskosten und Verkürzung der Konfliktzeiten führen kann. Aufgrund der anderen Rechtslage und anderer Streitkulturen gibt es in Deutschland bislang nur wenige und insb. auch wenig erfolgreiche Mediationsbeispiele für konfliktbelastete Umweltprobleme. Allerdings wird in der jüngsten Vergangenheit im Kontext lokaler Agenda-21-Aktivitäten, die auf die Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio 1992 zurückgehen, häufig von M. gesprochen, wenn unterschiedliche Interessenträger an „runden Tischen“ ihre Visionen über eine zukünftige Entwicklung austauschen. Diese populär als M. bezeichneten Verfahren sind letztlich Moderationen mit konfliktbeladenen Inhalten, sie unterliegen nicht den für die eigentliche M. typischen Verfahrensregeln.

Ein Mediationsverfahren besteht in der Regel aus vier Phasen:

  • Ausarbeitung der Konflikte und eine Verständigung darüber,

  • Erhebung und Wahrnehmung der zugrunde liegenden Interessen,

  • Ausloten von Handlungsspielräumen und Entscheidungsmöglichkeiten, Herbeiführen von Win-win-Situationen,

  • Absichern der Verhandlungsergebnisse.

Vom Mediator wird verlangt, dass er

  • unvoreingenommen bzw. neutral gegenüber allen Verfahrensbeteiligten und gegenüber der Sache ist,

  • über soziale Kompetenz verfügt, die erlaubt, Gesprächsführung mit Einzelnen und mit Gruppen zielorientiert und konfliktvermeidend durchzuführen,

  • hinreichend fachkompetent ist, um der Diskussion um Konfliktgegenstände sachlich folgen zu können. Dabei muss eine Fähigkeit zu interdisziplinärem Denken gegeben sein, weil meist ökologische, technische, rechtliche und soziale Belange zugleich zu erörtern sind,

  • persönlich unabhängig ist und einen angemessenen Sozialstatus hat, um in der Verhandlungsführung unbeeinflussbar und allgemein anerkannt zu sein.

In allen Anwendungsfeldern gibt es inzwischen professionelle Ausbildungsmöglichkeiten; und berufsständische Vereinigungen die versuchen Qualitätsstandards zu etablieren. In der WB bieten sich mediative Elemente in kommunikationsorientierter Bildungsarbeit an. Wenn es um gruppendynamische Prozesse geht, d.h. wenn soziale Prozesse zu steuern sind, oder wenn konfliktbeladene Themen aus dem interkulturellen Bereich oder dem Bereich der → politischen Bildung anstehen, kann der Einsatz von Mediationsverfahren hilfreich sein. Anwendungen wurden insb. im sozialpädagogischen Bereich erprobt. Der Einbezug mediativer Elemente in der Bildungsarbeit berührt das Schnittfeld zwischen Moderation und M. Ob M. zum methodischen Standardrepertoire eines Weiterbildners zählen sollte, ist zurzeit noch nicht ausgemacht.

Literatur

  • Apel, H./Günther, B.: Mediation und Zukunftswerkstatt. Frankfurt a.M. 1999

  • Falk, G. u.a. (Hrsg.): Handbuch Mediation und Konfliktmanagement. Opladen 2004

  • Fietkau, H. J.: Entwicklung ökologischer Verantwortung in Mediationsverfahren. In: Berger, K. u.a.: Ökologische Verantwortung. Bad Heilbrunn 1991

  • Rabsch, S.: Mediation. In: Grundlagen der Weiterbildung – Praxishilfen. Loseblattwerk. Frankfurt a.M. 1993 (Grundwerk)

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Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt