Banner: Köpfe

Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Wiltrud Gieseke

Professionalität und Professionalisierung

Professionalität und Professionalisierung stehen für unterschiedliche Phasen der Institutionalisierung und Verwissenschaftlichung der WB. Nittel (2000) hat den Prozess dieser Entwicklung nachgezeichnet und kommt zu folgendem Schluss: Professionalität ist kein Zustand, der erreicht werden kann, sondern eine Kompetenz, die sich situativ immer wieder neu als berufliche Leistung zu bewähren und weiterzuentwickeln hat. Professionalität stützt sich auf wissenschaftliches Grundlagenwissen, das durch Erfahrungen ausgewertet wird. Sie geht nicht von einem durchgeplanten Ablauf, sondern von Aufgabenlösungen, Deutungen, Diagnosen und Interpretationen aus, die in individueller Verantwortung unter ethischen Ansprüchen zu treffen sind. Professionalität meint also einen differenzierten Umgang mit Forschungsbefunden, die Nutzung von Handlungsinstrumenten und ihre eigenständige Interpretation, die Deutung von Handlungssituationen sowie ein flexibles, vernetztes Handeln. Dafür ist eine Voraussetzung, dass die institutionellen Bedingungen solche Handlungen ermöglichen. Für den Faktor Bildung spielt dabei eine Rolle, welche Eigenanteile an Finanzen, Zeit und Lernpotenzialen unterstellt werden, welche Auslegung von Daseinsvorsorge es aus der jeweiligen Sicht der Bildungspolitik gibt. Professionalität und besonders die Professionalisierung für → lebenslanges Lernen ist abhängig von der politischen und unternehmerischen Bedeutungszuweisung von WB und der je spezifischen Förderpolitik. Damit wird die Frage beantwortet, wie viel WB Erwachsenen zugemutet und/oder abgefordert wird. Qualitätssicherung kann zu einem institutionsbezogenen Instrument von Professionalität werden, muss sich aber dabei in Zukunft des Bürokratisierungsverdachts erwähren. Über pädagogisches Planen und für die Lernförderung gibt sie zurzeit noch keine Auskunft. Nur Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW) eröffnet gegenwärtig diese Tür (Zech u.a. 2006).

Verschiebungen in der Professionstheorie verweisen aber auf eine stärkere Nutzenorientierung, weniger auf eine Betonung ethischer Kriterien. Rationalisierungsmaßnahmen zielen darauf ab, Professionalitätsansprüche abzuwehren (Pfadenhauer 2005).

Professionalisierung meint den Prozess einer Verwissenschaftlichung über Verberuflichung zur Professionisierung, der mit pädagogischen Berufen in den 1970er und 1980er Jahren verbunden war. Die Professionalisierung war auch ein Konzept in den 1960er Jahren, um mit hohen akademischen Abschlüssen, großer Verantwortung, aber geringer Bezahlung im Unterschied zu verantwortlichen Positionen in der Wirtschaft einen eigenen gesellschaftlichen Wert und Autonomie zu geben. Schulenberg hat diese Diskussion rezipiert und für seine Überlegungen in Deutschland genutzt (Schulenberg 1972). Dieser Prozess der Professionalisierung ist zum Stoppen gebracht und nach 2000 trotz verbal steigender Ansprüche an WB sogar rückläufig. Über Arbeitsverdichtungen und Konfliktzunahmen wird berichtet (DIE 2008; Heuer/Gieseke 2006). Das Weiterbildungsinteresse der Professionellen ist groß, es fehlen allerdings die Zeitressourcen. Die verbandsbezogenen Fortbildungen und Selbststudienmaterialien sind zwar weiter entwickelt worden und komplexere und kompaktere Fortbildung zu aktuellen Anforderungen (Qualitätssicherung, Beratung) als Fortbildungsprojekte finanziert worden, aber ansonsten werden inzwischen universitäre Abschlüsse (BA/MA) nachgefragt. Felder professionellen Handelns in der WB sind: Leitung und Management, → Programmplanung, Projekt- und Konzeptentwicklung, Lehre, Teilnehmergewinnung, → Öffentlichkeitsarbeit und → Beratung. Für alle diese Felder hat sich inzwischen ein differenziertes Wissen mit ausdifferenzierten Schwerpunkten entwickelt. Man erwartet inzwischen auch weiterreichende wissenschaftliche Befunde mit der Erstellung von Instrumenten und Handreichungen für die Praxis. Professionalität im Dienstleistungsunternehmen WB hat neue Kundenbedürfnisse zu erfüllen und wird teurer werden. Ansonsten wird es schwieriger, engagierte Weiterbildner/innen mit professionellen Ansprüchen zu gewinnen. Wie die ethischen Ansprüche an Bildungsförderung für alle Milieus und die Ökonomisierung dieser letztlich gesellschaftlichen Aufgabe gemeistert werden sollen, bedarf noch einer Entwicklung, die mit Konzepten der Weiterbildungsfinanzierung erst angedacht ist.

Literatur

  • DIE: Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse 2008. Bielefeld 2008

  • Heuer, U./Gieseke, W. (Hrsg.): Pädagogisches Wissen für die Weiterbildung, Fortbildungsbedarf und Personalentwicklung. Oldenburg 2006

  • Nittel, D.: Von der Mission zur Profession. Bielefeld 2000

  • Pfadenhauer, M. (Hrsg.): Professionelles Handeln. Wiesbaden 2005

  • Zech, R. u.a.: Handbuch Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW). Grundlegung – Anwendung – Wirkung. Bielefeld 2006

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt