Banner: Köpfe

Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Markus Lermen

Lehr-/Lernziele

L. beinhalten eine möglichst präzise und eindeutige Beschreibung der Ergebnisse, welche innerhalb eines Lehr- bzw. Lernprozesses angestrebt werden sollen. In einer Vereinfachung lassen sich Lehrziele von Lernzielen dadurch unterscheiden, dass mit Lehrzielen die von den Lehrenden formulierten Zielsetzungen im Sinne einer Antizipation des zu erreichenden Endverhaltens bezeichnet werden und es sich bei Lernzielen um die von den Lernenden selbst gesetzten, subjektiven und intendierten Handlungsziele innerhalb eines Lehr-/Lernarrangements handelt. Die umfassende Bezeichnung Lehr- bzw. „Unterrichtsziele“ beinhaltet beide Aspekte (Jank/Meyer 2005), wobei die Ziele der Lernenden mit denen der Lehrenden mehr oder weniger übereinstimmen können.

Wesentliche Impulse zur Planung und Spezifizierung von L. sind aus der lernzielorientierten bzw. curricularen Didaktik hervorgegangen, welche im Anschluss an die Curriculumstheorie nach Saul B. Robinsohn Ende der 1960er und in den 1970er Jahren entwickelt wurde. Zentrale Protagonisten dieser curricularen Wendung der Didaktik sind u.a. Christine Möller (1976) und Robert Mager (1969). Im Gegensatz zu anderen didaktischen Modellen nehmen L. in der lernzielorientierten bzw. curricularen Didaktik eine zentrale Stellung ein bzw. haben eine Priorität vor anderen Entscheidungen. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Lernziel-Kontrolle, d.h. die Verbindung von Unterricht mit abschließender Lernerfolgskontrolle anhand der vorgegebenen Zielsetzung. Dieser zweite Aspekt wurde aufgrund der Möglichkeiten für eine praktikable Erfolgskontrolle in andere didaktische Modelle integriert (Peterßen 2001).

Zur besseren Planung und Festlegung von L. lassen sich diese in hierarchische Klassifikationen mit unterschiedlichen Reichweiten einordnen. Möller unterscheidet in einer geläufigen Differenzierung anhand des Grades an Abstraktheit zwischen Richtzielen, Grobzielen und Feinzielen. Bei den Richtzielen handelt es sich um allgemeine Leitideen bzw. Bildungsziele (allgemeine Fachlernziele), welche vielfältig und unspezifisch formuliert sind. Grobziele (Teilziele) weisen einen mittlerer Grad an Eindeutigkeit und Präzision auf und sind auf der Ebene einer Planung von Unterrichtseinheiten angesiedelt. Während Richtziele vielfältige Interpretationen zulassen, sind Feinziele so eindeutig formuliert, dass nur eine Interpretation möglich ist.

Sowohl Grob- als auch Feinziele müssen nach R. Mager operationalisiert werden, um eine intersubjektive Überprüfbarkeit zu erreichen. Operationalisierungen zielen auf eine präzise Beschreibung einer beobachtbaren Endverhaltensweise, so dass Missverständnisse weitgehend ausgeschlossen werden (Reischmann 2002). Ein derart formuliertes Lernziel beinhaltet neben einer möglichst präzisen und transparenten Beschreibung der zu erreichenden Verhaltensweise in Form eines Produktes (Lernergebnis) die Angabe von genauen Bedingungen, unter denen das Verhalten auftritt, sowie die Nennung eines qualitativen und quantitativen Kriteriums, ab wann das Ziel erreicht worden ist (Bewertungsmaßstab).

Desweiteren lassen sich L. anhand verschiedener Schwierigkeitsgrade hierarchisch ordnen. Gemäß der gebräuchlichsten Taxonomie nach Benjamin S. Bloom (in der Weiterentwicklung gemeinsam mit David R. Krathwohl und Bertram B. Masia) lassen sich Lernziele anhand psychologischer Kategorien in drei Fähigkeitsbereiche einordnen: den kognitiven, den affektiven und den psychomotorischen Bereich. Die einzelnen Bereiche weisen jeweils unterschiedliche Lernzielstufen mit ansteigender Differenziertheit auf, welche an unterschiedlichen Hierarchiekriterien festgemacht werden (kognitive Komplexität, Internalisierung, Koordinierung bzw. Komplexität).

Die in den 1950er und 1960er Jahren in den USA von der Arbeitsgruppe um Bloom entwickelte Klassifikation von L. orientiert sich deutlich an behavioristisch geprägten Vorstellungen von Lehren und Lernen und beinhaltet den Versuch einer möglichst präzisen und kleinschrittigen Festschreibung bzw. Operationalisierung von Verhaltensweisen im Sinne eines antizipierbaren Endverhaltens. Insbesondere die damit verbundenen Machbarkeitsvorstellungen von Lehr- und Lernvorgängen und deren beabsichtigten Lernergebnissen werden durch neuere lerntheoretische Strömungen zunehmend infrage gestellt. Entsprechend wird die Frage nach L. inzwischen im Hinblick auf eine Anwendbarkeit in der Weiterbildungspraxis kontrovers diskutiert.

So wird mit einer Abkehr von behavioristischen Vorstellungen und einer Hinwendung zu konstruktivistischen ( → Konstruktivismus) oder ermöglichungsdidaktischen Überlegungen ( → Ermöglichungsdidaktik) die Möglichkeit allgemein verbindlicher Lernziele angesichts der Wirkungen individueller Deutungs- und Verhaltensmuster bezweifelt. Im Gegensatz zu schulischen Zusammenhängen, in welchen die L. durch den Lehrplan mehr oder weniger vorgegeben werden, ist dies in Weiterbildungsveranstaltungen – insb. im Bereich der allgemeinen EB – häufig nicht der Fall. Vor dem Hintergrund des Prinzips der Freiwilligkeit in der EB und einer vermehrten Teilnehmerorientierung wird bei der Formulierung von L. dem Prozess eines dialogischen Aushandelns und der Verständigung eine größere Bedeutung zugemessen. Hierbei bieten sich Anknüpfungspunkte an die Debatte um selbstregulierte Lernformen und informell erworbene Kompetenzen. Der Mitbestimmung der Zielsetzung von Bildungsmaßnahmen durch die Lernenden in der EB ist allerdings in solchen Bereichen Grenzen gesetzt, welche auf die Erlangung formeller Abschlüsse (z.B. Qualifikationsmaßnahmen) ausgerichtet sind. Jedoch sind die Formulierung und Begründung von relevanten L. für eine didaktische Planung auf mikro- und makrodidaktischer Ebene sowie für Maßnahmen der Qualitätssicherung ( → Qualitätsmanagement) zentrale Voraussetzungen.

Literatur

  • Jank, W./Meyer, H.: Didaktische Modelle. 7. Aufl. Berlin 2005

  • Mager, R.M.: Lernziele und Programmierter Unterricht. Weinheim 1969

  • Möller, C.: Technik der Lernplanung: Methoden und Probleme der Lernzielerstellung. 5. Aufl. Weinheim u.a. 1976

  • Peterßen, W.H.: Lehrbuch allgemeine Didaktik. 6., völlig veränd., akt. und stark erw. Aufl. München 2001

  • Reischmann, J.: Weiterbildungs-Evaluation. Lernerfolge sichtbar machen. Neuwied/Kriftel 2002

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt