Banner: Köpfe

Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

Das Wörterbuch Erwachsenenbildung bündelt das gegenwärtige Wissen über Erwachsenenbildung. Es enthält über 300 Stichworte zu den Themenfeldern Didaktik und Methodik, Forschung und Wissenschaft, Geschichte und Entwicklung, Lernen und Erfahrung, Organisation und Profession, Politik und Recht sowie Theorien und Konzepte. Alle Artikel wurden von ausgewiesenen Fachleuten nach dem neuesten Stand der Diskussion verfasst. Sie sind urheberrechtlich geschützt.

Mehr über das Wörterbuch erfahren

Suchvorschläge:

Aufklapper schließen

Erhard Schlutz

Angebot

Ökonomisch betrachtet bezeichnet das A. das Gut, vor allem die Gütermenge, die ein Anbieter auf dem Markt absetzen will. Im Bildungsbereich wird der Begriff „Bildungsangebot“ traditionell weiter gefasst und meint über das Angebotsstadium bzw. die Absatzfunktion hinaus den besonderen Gegenstand oder die Leistung, die das Spezifikum des Bildungsunternehmens ausmacht. Im engeren Sinne besteht das A. in der Zusage, ein vorhandenes Leistungspotenzial in Form einer bestimmten Bildungsdienstleistung zu realisieren.

Als „Dienstleistung“ werden alle wirtschaftlichen Leistungen bezeichnet, die nicht in Form fertiger Produkte übergeben oder getauscht werden können, sondern innerhalb eines Prozesses vermittelt werden. „Weiterbildungs-Dienstleistungen“ (Schlutz 2006) sind eigenständige (marktfähige) personenbezogene und wissensintensive Leistungen, mit deren Hilfe das Lernen Erwachsener und der damit angestrebte Kompetenzzuwachs systematisch sowie ergebnis- und nutzenorientiert durch Lehren im weiteren Sinne unterstützt werden. „Eigenständig“ meint hier: Die Bildungsdienstleistung wird als ganze angeboten und abgenommen, z.B. als Kursangebot. Ein nur innerhalb dieses Kurses angebotener Test würde als Teilleistung bezeichnet. Das Gelingen der Dienstleistung WB setzt das Lernen der Teilnehmenden voraus, also eine Eigenleistung. Ihr Erfolg ist also in einer „Koproduktion“ begründet. Neben der Potenzialphase (Erstellung und Absatz des A.) kann man eine Prozessphase (Lehr-Lernprozess) und eine Ergebnisphase (Lernerfolg) unterscheiden. Vom Lernergebnis kann noch ein Folgeergebnis unterschieden werden (z.B. das Erreichen eines beruflichen Ziels), das in der Regel nach Ende der Dienstleistung und außerhalb ihrer Kontrollmöglichkeit eintritt.

Die Immaterialität des Bildungsangebots, die Tatsache also, dass es beim „Kauf“ kaum wie ein Produkt auf Qualität und Bedarfsangemessenheit hin begutachtet werden kann, bedeutet für den Nutzer ein besonderes Kaufrisiko. Hinzu kommt, dass der Adressat bei den meisten Bildungsangeboten prinzipiell auch die Alternative hätte, das Ziel in Eigenarbeit zu erreichen, zumal er auch bei Buchung eines Bildungsangebots nicht umhin kommt, eine mehr oder minder große Eigenleistung durch Lernen zu erbringen. Der potenzielle Nutzer muss deshalb durch den Bildungsanbieter nicht nur vertauensbildende Hinweise (z.B. Gütesiegel) bekommen, die das Risikogefühl abmildern, sondern er muss auch von der besonderen Dienstleistungsqualität des A. überzeugt werden, d.h. von dessen Vorteil gegenüber dem autodidaktischen Lernen (z.B. Entlastung, Kontrolle, Anreicherung). Eine solche Maßnahme könnte darin bestehen, den spezifischen Bildungsbedarf schon vor dem Leistungsprozess gemeinsam festzustellen und diesen nach Möglichkeit noch in die Angebotsentwicklung ( → Programmplanung) einzubeziehen.

Das Kernangebot der WB stellt der Form nach eine Unterrichtsveranstaltung in weitem Sinne dar. Es gibt seit längerem Erwartungen in Praxis und Wissenschaft, dass dieser Dienstleistungstyp differenziert und ergänzt werde, und zwar infolge vielfältigerer Anforderungen und Bedarfe, gestiegenen Kostenbewusstseins, größerer Konkurrenz und neuer technischer Möglichkeiten. In der Tat lassen sich Veränderungen und Experimente beim klassischen Angebotstyp beobachten (Schlutz 2002): Bildungsinnovationen modifizieren bisherige Dienstleistungen (z.B. durch indirektere Instruktion, neue Lernorte), kreieren neue Bildungsdienstleistungen durch Neue Medien oder Verselbstständigung von bisherigen Teilleistungen (z.B. Beratung) und verbinden Bildungsdienstleistungen mit andersartigen Dienstleistungen – auch in Kooperation – zu einem Leistungsmix (z.B. mit Organisationsberatung, Arbeitsbeschaffung). Zwei Tendenzen sind darin zu erkennen, nämlich das Lernen oder die Lernbedingungen zu individualisieren und Leistungen anzubieten, mit denen nicht nur das Lernergebnis, sondern das Folgeergebnis in der Lebens- und Arbeitspraxis abgesichert wird.

Allerdings sind dies noch keine dominanten Tendenzen. Vor allem bei den am meisten erwarteten Trends (Kil/Schlutz 2006; DIE 2008), denen zu mehr Beratung und zum → E-Learning, zeigen sich Schwierigkeiten, diese in größerem Stil als selbstständige marktfähige Leistungen anzubieten. Vielfach werden sie stattdessen als Teilleistungen innerhalb umfassenderer A. und Projekte mitangeboten.

Praxis, Politik und Wissenschaft müssen ein gemeinsames Interesse an Informationen über die Angebotsentwicklung im gesamten Weiterbildungsbereich haben, auch über die inhaltliche. Entsprechende Angebotsanalysen und empirische Erhebungen liegen meist nur für Segmente und bestimmte Themen vor und werden selten kontinuierlich zu Längsschnitten ausgebaut ( → Programme, → Systembeobachtung, → Weiterbildungsstatistik).

Literatur

  • DIE (Hrsg.): Trends der Weiterbildung. DIE-Trendanalyse 2008. Bielefeld 2008

  • Kil, M./Schlutz, E.: „Dienstleistung Weiterbildung“ – Feldforschung zu gegenwärtigen Veränderungen und Handlungsspielräumen. In: Meisel, K./Schiersmann, C. (Hrsg.): Zukunftsfeld Weiterbildung. Standortbestimmungen für Forschung, Praxis und Politik. Bielefeld 2006

  • Schlutz, E. (Hrsg.): Innovationen in der Erwachsenenbildung – Bildung in Bewegung. Bielefeld 2002

  • Schlutz, E.: Bildungsdienstleistungen und Angebotsentwicklung. Münster 2006

Zurück zur Startseite

Das Buch zur Site

Wörterbuch Erwachsenenbildung

Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

» Buch online bestellen

Sie erhalten das Buch auch in Ihrer Buchhandlung!

Die Anbieter

Diese Seite ist ein Kooperationsprojekt des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, des Klinkhardt-Verlags und der UTB GmbH.

Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) ist die zentrale Einrichtung für Wissenschaft und Praxis der Weiterbildung in Deutschland. Aus dem Institut stammen die Herausgeber des Wörterbuchs.

Der Klinkhardt-Verlag ist ein pädagogischer Fachverlag. Er hat die Entwicklung des Wörterbuchs verlegerisch betreut.

UTB ist ein Verlag für Lehr- und Studienbücher. Bei UTB ist die Druckausgabe des Wörterbuchs erschienen.

Zum Weiterlesen


Lade Daten...
Buchcover
Autor

Buchtitel

 

Beschreibung

Druck-Ausgabe: 12,95 €
eBook-Ausgabe: 8,97 €

Mehr im UTB-Shop!
 

utb GmbH

Industriestraße 2
D-70565 Stuttgart, Germany

Fon: +49 711 7 82 95 55-0
Fax: +49 711 7 80 13 76
utb(at)utb-stuttgart.de

Impressum
Datenschutzhinweise
Widerrufsbelehrung

Pfeil nach links Zurück zur Website

utb-Homepage

Zum UTB-Online-Shop

Vom Uni-Taschenbuch bis zur e-Learning-Umgebung: Das komplette utb-Angebot für Studierende, Dozenten, Bibliotheken und Buchhandel.

[Zur utb-Homepage]

utb-Online-Shop

Zum UTB-Online-Shop

Ob gedrucktes Buch oder digitale Ausgabe – im utb-Shop finden Sie alle utb-Titel übersichtlich sortiert.

[Zum utb-Shop]

utb bei Facebook

Zur UTB-Facebook-Seite

Gefällt mir! Die Facebook Seite von utb informiert Sie über unsere Aktivitäten. 

 [zur Facebook-Seite von utb]

utb auf Twitter

UTB-Tweed bei Twitter

Aktuelles für Studierende und Dozenten – hier melden wir, was es in der Hochschulwelt Neues gibt.

[Zum utb-Twitter-Tweed]

Eine Übersicht der Websites zu einzelnen utb-Titeln finden Sie auf der Links-Seite.

 

Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt