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Angela Venth

Gender und Erwachsenenbildung

G. gilt in erster Linie als analytische Kategorie, welche sich auf Frauen und Männer sowie auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern bezieht. G. bezeichnet die soziale Dimension von Geschlecht und basiert auf der Erkenntnis, dass Geschlechterbilder gesellschaftlich konstruiert und individuell erlernt sind. Deshalb können sie rekonstruiert und verändert werden. Transnationale Bedeutung erhält G. als Begriff durch die europaweit verbindliche Vorgabe, das Gender Mainstreaming (G.M.) („Amsterdamer Vertrag“ 1999) umzusetzen. Das G.M. geht von der Voraussetzung aus, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt. Es setzt das Ziel, Strukturen und Interaktionen in institutionellen Kontexten nach gleichstellungspolitischen Gesichtspunkten zu überprüfen, indem die unterschiedlichen Interessen und Lebenslagen von Frauen und Männern berücksichtigt werden.

In Wissenschaft und Praxis der EB verbindet sich das analytische Potenzial von G. mit geschlechterdemokratischen Absichten. Diese werden sowohl als theoretische Perspektiven verfolgt wie auch in geschlechtergerechte Konzeptionen und Didaktiken (Derichs-Kunstmann 2000) übersetzt. Im Sinne des G.M. sind sie Fokus spezieller Trainings für Multiplikator/inn/en, teilweise auch Gestaltungsprinzipien der Qualitätsentwicklung von Bildungseinrichtungen. G.zentrierte Bildungsangebote können an Frauen wie an Männer adressiert sein oder sich an geschlechtsheterogene Lerngruppen richten. Sie regen jeweils dazu an, die Auswirkungen von Geschlechterstereotypen auf den Lebenszusammenhang Erwachsener durch geschlechtssensibles Lernen kritisch zu hinterfragen.

Die interdisziplinäre Verbindung von Geschlechterforschung und EB wird besonders aufschlussreich für die Diagnose der genderimpliziten Textur geschlechtsneutraler Phänomene. Dann steht zur Diskussion, inwiefern Differenzen zwischen den Geschlechtern bzw. Konzepte von Geschlecht über das einzelne Bildungsangebot hinaus bildungstheoretische Maximen, Angebotsinhalte und das Lernen und Lehren selbst beeinflussen. In diesem Interesse wendet sich eine diskursanalytische Forschungsarbeit der Frage zu, in welcher Weise die EB zur Akteurin eines „Doing Gender“ wird, das traditionelle Geschlechterkonstellationen auflöst oder verstärkt (Venth 2006). Vor allem im Hinblick auf eine Korrektur der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung und die Zukunft des Geschlechterverhältnisses stellt sie für die EB ein Defizit an g.reflexiven konzeptionellen Antworten unter empirischen Beweis.

In welcher Intensität Veränderungen der tradierten Geschlechterkonstellation mit Möglichkeiten des Zugangs zum Lernen verknüpft sind, wird beim Blick auf die Bildungswege und Beteiligungsquoten von Frauen und Männern deutlich sichtbar. Mädchen und junge Frauen erreichen heute höhere Schulabschlüsse als Jungen bzw. junge Männer. Bei der Teilnahme an EB haben Frauen den nahezu gleichen quantitativen Stand wie Männer erreicht; dies entspricht der internationalen Entwicklung. Im Unterschied zu Männern zeigen Frauen hingegen ein weiter gefächertes Interesse sowohl an allgemeiner wie beruflicher Bildung. Kommen in einer Partnerschaft aber Kinder im erziehungspflichtigen Alter hinzu, so fällt die Doppelbelastung durch Erwerbsarbeit und Familie nach wie vor auf die Frauen zurück. In der Folge sinkt ihre Bildungsbeteiligung rapide, während diejenige von Vätern mit kleinen Kindern steigt. In dieser Lebensphase findet eine „Retraditionalisierung“ (Friebel 2007) des Geschlechterverhältnisses statt, welche die ansteigende Kurve weiblicher Bildungsbeteiligung nachhaltig bricht. Noch weisen die Statistiken keine Steigerung männlichen Lerninteresses an nicht-berufsbezogener Bildung nach. Im Zuge neuer Anforderungen an die Balance zwischen produktivem und reproduktivem Bereich wird zukünftig allerdings zu prüfen sein, inwieweit sich das inhaltliche Bildungsinteresse bei beiden Geschlechtern verändern wird.

Literatur

  • Derichs-Kunstmann, K.: Geschlechtergerechte Didaktik in der Erwachsenenbildung: Ein Beitrag zur Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse. In: DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, H. 4, 2000

  • Friebel, H.: Familiengründung als Sollbruchstelle? In: DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, H. 3, 2007

  • Nuissl, E.: Männerbildung. In: Tippelt, R./Hippel, A. v. (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. 3., überarb. und erw. Aufl. Opladen 2009

  • Venth, A.: Gender-Porträt Erwachsenenbildung. Bielefeld 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt