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Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Erhard Schlutz

Bildungsbedarf

B. ist das in einer bestimmten Lage an Bildung Benötigte oder Gewünschte. Bedarf hat eine objektive und eine subjektive Seite. Mit dem Wort „Bedarf“ assoziiert man eher ein objektiv nachweisbares Qualifizierungserfordernis, bezogen auf eine größere Gruppe, einen Betrieb, die gesellschaftliche Entwicklung. Der subjektive Aspekt des Bedarfs, der in der Motivation des Individuums und in seinen sozialen Lebensbedingungen verankert ist, wird häufig auch als „Bildungsbedürfnis“ bezeichnet.

Bedarf kann latent oder manifest sein, kann sich in Nachfrage zeigen, muss aber nicht zur Bildungsnachfrage oder gar -teilnahme ( → Teilnahme) führen. Denn die „Bedarfsträger“ (Individuen, Institutionen) wissen nicht unbedingt, ob ein (und welches) Bildungsangebot ( → Angebot) ihre Mangelerscheinung kompensiert, können auf andere Lösungen ausweichen (Nichtstun, autodidaktisches Lernen, Neueinstellungen) oder aus anderen Gründen auf eine Bildungsbeteiligung ( → Weiterbildungsbeteiligung) verzichten. B. ist zudem keine feststehende Größe, sondern kann u.a. durch Bildungsberatung ( → Beratung) oder konkrete Bildungserfahrungen verändert werden.

Bedarfsrecherchen in Form einmaliger und gesonderter Erhebungen lassen deshalb meist nur unsichere Prognosen hinsichtlich der Bildungsbeteiligung zu. Unverzichtbar können solche Erhebungen bei der Erforschung allgemeiner Bedarfslagen und der Bedingungen von Bildungsbeteiligung sein. In der Bildungspraxis, der es weniger auf grundlegende Erkenntnis als auf Resonanz ankommt, müssten Aufwand und möglicher Ertrag abgewogen werden. Es müsste überlegt werden, welche Daten bereits vorliegen (Sekundäranalysen), welche Aufgaben in der eigenen Institution vorgenommen und wann Gespräche mit Expert/inn/en oder aufwendigere Untersuchungen im Feld (Primäranalysen) unverzichtbar erscheinen. Beispielsweise kann es im Hinblick auf die Bedarfsweckung bei großen anonymen Menschengruppen (Volkshochschulangebot) durchaus ökonomischer sein, Probeangebote zu machen, statt vorgängig nach → Motivationen zu fragen. Diese müssen allerdings, wie alle anderen Formen der Bedarfsermittlung, durch Bedarfshypothesen gestützt werden.

Solche Bedarfshypothesen haben die Form von Soll-Ist-Abgleichen, die anhand von künftig nötigen Kompetenzen, jetzigem Leistungs- oder Bildungsstand sowie einem Lern-/Angebotsbedarf (Differenz zwischen erstgenannten Aspekten) erstellt werden. Bedarfshypothesen können aus der Selbstevaluation bisheriger Programme, aus Gesprächen mit Bildungsinteressenten, aus Marktbeobachtungen zu Angebotslücken, aber auch aus Einschätzungen von Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft stammen.

Je deutlicher sich mögliche Zielgruppen, Kooperationspartner, Bildungsaufgaben abzeichnen, desto eher wird man aktivere Bedarfsermittlung in Form von Bedarfserschließung versuchen. Die Bedarfserschließung verbindet Recherchen mit werbender Bedarfsweckung und der Konstitution von Lernangeboten und Lerngruppen. Sie folgt dem Gedanken, dass man sich eines bestimmten B. umso sicherer sein kann, je mehr man ihn mit konkreten Bildungsinteressenten in konkreten Beratungs- oder gar Lernsituationen abgestimmt hat.

Als größere Maßnahmen der Bedarfserschließung sind bisher die Entwicklung der → Zielgruppen im Feld (z.B. Bildungsarbeit für Migrant/inn/en) oder die kooperative Bedarfsermittlung in Betrieben (unter Beteiligung der Leitung, der Mitarbeiter/innen und möglicher Spezialisten für Technikvermittlung, Organisationsberatung, mögliche Nachsorge durch eine Hotline usw.) erfolgreich versucht worden. Als weniger aufwendige Ansätze zur Bedarfserschließung haben sich z.B. Mitarbeitergespräche beim Auftraggeber, Orientierungsangebote für potenzielle Lehrgangsteilnehmende, Planungsrunden mit bisherigen (und potenziellen) Teilnehmenden bewährt.

Die praktische Recherche kann nicht den Aufwand einer wissenschaftlichen erreichen, aber durch vergleichbare Prinzipien und Methoden abgesichert werden: z.B. mithilfe eines Plans, von Leitfragen, Hypothesen, Aufzeichnungen (Recherche-Tagebuch), Reflektieren der Relativität der Befunde (Aussagefähigkeit der Befragten, Reichweite usw.).

Literatur

  • Grüner, H.: Die Bestimmung des betrieblichen Weiterbildungsbedarfs. Frankfurt a.M. 2000

  • Schlutz, E.: Bildungsdienstleistungen und Angebotsentwicklung. Münster 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt