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Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Sigrid Nolda

Entwicklung

Während traditionelle Modelle der E. des Menschen zum einen auf Kindheit und Jugend begrenzt und zum anderen auf universelle Strukturen gerichtet waren, definieren neuere Ansätze E. als lebenslangen, kulturspezifisch und gesellschaftlich bestimmten und durch starke interindividuelle Unterschiede geprägten Prozess. E. betrifft aber nicht nur die intellektuelle, die personale und die soziale, sondern auch die organisationale und die gesellschaftliche Dimension.

EB greift die generelle Entwicklungsfähigkeit von Erwachsenen als Legitimation ihrer Arbeit auf, reagiert aber auch auf die Aufforderung zur E., wie sie durch moderne, dynamische Gesellschaften nahegelegt und in der Arbeitswelt gefordert wird. In diesem Sinn bemüht sich speziell die → berufliche Weiterbildung, zur E. von Fach-, Methoden-, Sozial-, Individual- und Handlungskompetenzen beizutragen (Erpenbeck/Heyse 2007) ( → Kompetenz). Entwicklungspsychologische Längsschnittstudien haben – in Übereinstimmung mit der modernen Hirnforschung – die pauschale Annahme eines Abfalls der kognitiven Leistungsfähigkeit älterer Erwachsener revidiert und stattdessen die Relevanz gesellschaftlicher Einflüsse und des jeweiligen Gesundheitszustandes der Einzelnen für die Intelligenzentwicklung hervorgehoben. Die Entwicklungspsychologie der Lebensspanne betont die Multidirektionalität und die Multidimensionalität von Entwicklungsprozessen über die Dauer des gesamten Lebens. Sie verfolgt damit einen interaktionistischen Ansatz, der sich von organismischen und mechanistischen Modellen abgrenzt, die von einem im Organismus selbst angelegten Programm bzw. von einer prinzipiellen Reaktivität des Organismus ausgehen. Infrage gestellt werden demnach die universellen und eindirektionalen Phasenmodelle der menschlichen E., wie sie in der Nachfolge Freuds von Erikson und Havighurst aufgestellt wurden. Die dort formulieren Entwicklungsaufgaben bzw. -themen wie z.B. die das mittlere Erwachsenenalter kennzeichnende Generativität werden dagegen auch von einigen Erwachsenenbildner/inne/n zur Bestimmung von Erwachsenheit aufgegriffen. Mit dem Schwinden von Normalbiographien werden Phasenmodelle obsolet. Plausibler scheint es, die E. von Erwachsenen auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen, zu denen neben dem biologischen Alter und der umgebenden Gesellschaft unvorhersehbare individuelle Ereignisse gehören. Angesichts der demographischen E. wird das Thema der E. im Alter zunehmend wichtig. Hier stoßen unidirektionale, nur auf Gewinn und Zuwachs gerichtete Konzepte offenkundig an ihre Grenzen und werden durch Vorstellungen ersetzt, die Gewinne ebenso wie Verluste, Ausfälle ebenso wie Kompensationen in den Blick nehmen.

E. im Erwachsenenalter bezeichnet qualitative, auf Fähigkeiten und Verhalten bezogene Veränderungen, die aus der Interaktion mit der Umwelt entstanden sind. Auch → Lernen im Erwachsenenalter als Änderung im Verhalten, als Erwerb von → Wissen oder Fähigkeiten und als Veränderung oder Restrukturierung von bestehendem Wissen ist eine Form von E. Diese ist mit anderen Entwicklungsdimensionen, z.B. sozialen und emotionalen, verbunden. Deutlich wird dies z.B. bei der Beziehung zwischen → Autonomie und selbstständigem Lernen oder zwischen dem Gefühl der Verbundenheit bzw. Zugehörigkeit und dem „community learning“.

Zu den zentralen Konzepten der E. im Erwachsenenalter gehören u.a. die → Identität, die Sozialisation und das Phänomen des Übergangs bzw. der Krise. Demnach stellen moderne Gesellschaften mit ihrem Mangel an verbindlichen Normen einerseits und individuelle Krisenerfahrungen andererseits Entwicklungspotenziale dar, die durch Erwachsenenbildung als solche genutzt werden können.

Stärker als in der deutschen EB wird in der angloamerikanischen Literatur die Beziehung zwischen E. und EB auch auf der politisch-gesellschaftlichen Makroebene diskutiert: Das betrifft die Rolle von EB für die kommunale E. sowie für die E. in Ländern der „Dritten Welt“. Neben dieser Makroebene und der anfangs beschriebenen Mikroebene der individuellen E. wird E. auch auf die Mesoebene von Organisationen bezogen. Zu deren E. ( → Organisationsentwicklung) beizutragen bzw. diese zu analysieren wird zunehmend zur Aufgabe der EB und ihrer Wissenschaft erklärt.

Literatur

  • Erpenbeck, J./Heyse, V.: Die Kompetenzbiographie. Strategien der Kompetenzentwicklung durch selbstorganisiertes Lernen und multimediale Kommunikation. 2. Aufl. Münster 2007

  • Faltermaier, T. u.a.: Enzwicklungspsychologie des Erwachsenenalters. 2. Aufl. Stuttgart 2002

  • Hoare, C. (Hrsg.): Handbook of Adult Development and Learning. New York 2006

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt