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Christa Schulze

Museumspädagogik

Historisch gesehen waren Museen zur Zeit ihres Entstehens keine reinen Bewahranstalten oder fürstlichen Repräsentationsbauten, sie waren gedacht als allen Menschen offen stehendes Bildungsinstitut. Noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. wurde dieser Gedanke von Kerschensteiner, Bode, Lichtwark, Wiechert und Reichwein vertreten. Doch allmählich entwickelten sich die Museen zu Elfenbeintürmen spezieller Kennerschaft. Erst die in den 1970er Jahren geführte Diskussion „Lernort contra Musentempel“ hatte diese Elfenbeintürme wieder mit ihrem Bildungsauftrag konfrontiert und neue Präsentationsformen hervorgebracht. Am Beispiel des Historischen Museums Frankfurt am Main, abfällig bezeichnet als „begehbares Buch“, entflammte die Diskussion um den Bildungsauftrag der Museen und wurde bis in die 1990er Jahre vehement geführt (Nuissl/Paatsch/Schulze 1988; Noschka 1989). Während des Kulturbooms der 1980er Jahre wurden neue Museen gegründet, alte umgebaut, erweitert und modernisiert. Das Ausstellungswesen blühte wie niemals zuvor, und die Besucher kamen in großer Zahl. Die Museen befanden sich als repräsentative Manifestationen eines neuen Lebens- und Kulturstils im Aufwind. Heute verzeichnen sie nicht mehr ganz so viele Besuche wie in den 1980er Jahren, als man sagen konnte, mehr Bundesbürger/innen besuchen Museen als Fußballstadien. In den 1990er Jahren gingen die Besuchszahlen zurück, und nur allmählich konnten neue Besucher aus den neuen Bundesländern den Rückgang der Zahlen teilweise ausgleichen. Dennoch besuchen etwa vier Fünftel der Bevölkerung die Museen nicht oder nur gelegentlich (z.B. in Schulklassen). Museen verzeichnen zwar viele Besuche, aber wenig Besucher/innen; sie sind „bildungsbürgerliche“ Einrichtungen.

Museen besitzen Originale mit Aura und Authentizität. Und diese Originale beinhalten verschiedene Bedeutungsebenen und teilweise sogar Ambivalenzen. Hier wird deutlich, dass Museen, im Gegensatz zu anderen Bildungsinstitutionen, Mehrdeutigkeiten akzeptieren müssen, zugleich aber die Chance haben, fruchtbar damit zu arbeiten. Sie können dazu beitragen, den Besucher/inne/n verschiedene → Deutungsmuster und größere Spannbreiten von Wahrnehmungen zu ermöglichen und einen Beitrag zur Hebung der Toleranz zu leisten, indem sie unabhängig von der aktuellen Tagespolitik zu gesellschaftlichen Schlüsselthemen Position beziehen. Sie haben die Chance, die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen zu verlangsamen, in Momentaufnahmen festzuhalten und zur Diskussion zu stellen. Im Gegensatz zu Film und Computeranimation sind die musealen Objekte statische Exponate. Die Betrachter/innen haben Zeit zur Auseinandersetzung, zum Sich-Einlassen. Eine aktive und bewusste Auseinandersetzung in Ruhe und Muße, ohne Hektik und Stress könnte ihren Platz im Museum finden. Bislang ist noch ungeklärt, wie die Besucher mit den musealen Objekten umgehen, welche Botschaften bei ihnen ankommen. Die Frage, was im Zusammentreffen von Besucher/inne/n und Exponaten geschieht oder geschehen kann, ist noch nicht geklärt. Es ist denkbar, dass ästhetische Präsentationen oder bestimmte Exponate selbst bei einer Verweildauer von nur Sekunden oder eines Augenblicks (sofort oder später) erstaunliche Wirkung zeigen können. Denken findet nicht nur in Begriffen statt, Bilder und Symbole können eine immense Wirkung und Kraft entfalten.

Literatur

  • Jung, S. (Hrsg.): Neue Wege der Museumspädagogik. Bonn 2003

  • Klein, H.-J.: Der gläserne Besucher. Publikumsstrukturen einer Museumslandschaft. Bonn 1990

  • Noschka, A.: Museologie, Museumspädagogik und Museumsdidaktik mit referierender Bibliographie. Berlin 1989

  • Nuissl, E./Paatsch, U./Schulze, C.: Bildung im Museum. Heidelberg 1988

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Wörterbuch Erwachsenenbildung
hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt