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Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung

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Horst Siebert

Lehren

L. wird häufig als Vermittlung von Expertenwissen an Laien nach dem Sender-Empfänger-Modell definiert. Es ist unbestritten, dass Lehrende über eine fachliche → Kompetenz verfügen müssen, um in Seminaren neues Wissen anbieten zu können. Eine reine Vermittlungsdidaktik ( → Didaktik) aber vernachlässigt die Selbsttätigkeit des Lernenden und die Emergenz der → Kognition. Konzepte einer → Ermöglichungsdidaktik betonen die Gestaltung anregender Lernumgebungen, ohne dass die Aneignung ( → Aneignung – Vermittlung) von relevantem → Wissen und die Konstruktion von Wissen zu kurz kommen. Lehre hat Passung zwischen der Psychologik, der Sach- bzw. Inhaltslogik und der Verwendungslogik herzustellen. Je nach Thema, → Zielgruppe, → Motivation, Veranstaltungsart überwiegt jeweils eine der Logiken. Dementsprechend lassen sich drei Lehrstile unterscheiden: Der inhaltsorientierte Stil betont die didaktische Reduktion und Rekonstruktion des Themas und die sachlich korrekte Darstellung (z.B. durch Referate, Lehrgespräche, Thesenpapiere). Der psychologische Stil legt Wert auf die Reflexion und Erweiterung des Erfahrungswissens der Lerngruppe (z.B. durch → Moderation, Visualisierung, Streitgespräch, Schreibwerkstatt). Der handlungsorientierte Stil akzentuiert die Anforderungen und Kriterien der Praxisfelder (z.B. durch Übungen, Simulation, Planspiel, → Projektlernen, Qualitätszirkel).

L. unterscheidet sich von therapeutischen Tätigkeiten vor allem durch die Unterstützung des Wissenserwerbs, wobei der Wissensbegriff nicht nur Faktenwissen, sondern auch Begründungs-, Handlungs-, Methodenwissen beinhaltet. Eine Variante des L. ist z.B. das → Coaching. Coaching ist die Begleitung, Motivierung, Unterstützung von Lern- und Arbeitsprozessen. Wesentliche Elemente des L. sind „reading and flexing“ (Hunt 1985). „Reading“ meint, eine Seminargruppe lesen können, aufgrund verbaler und non-verbaler Signale Interessen, Überforderungen, Langeweile zu spüren. „Flexing“ meint eine entsprechende Modifizierung des didaktischen Konzepts, der Aufgaben und Methoden. Als drittes Element kann „reflecting“ genannt werden, d.h. die metakommunikative → Evaluation des Lehr-Lernprozesses.

Bei allen Lehrangeboten sind die Autopoiese ( → Selbstorganisation, → Konstruktivismus) und Selbstreferenz der lernenden Erwachsenen zu beachten; Belehrungs- und Erziehungsversuche sind meist wirkungslos oder sogar kontraproduktiv. Ältere Lehrstiltypologien (autokratisch, laissez-faire, partnerschaftlich) haben an Bedeutung verloren. Neuere Unterscheidungen sind – insb. in der betrieblichen Bildungsarbeit – Coach, Moderator, Facilitator, Supervisor, Mediator usw.

Zu den wünschenswerten Lehrkompetenzen gehören fachdidaktische Kenntnisse, Beherrschung von Lehr-/Lernmethoden, Überblick über Unterrichtsmaterialien und → Medien in Lehr-Lernprozessen, Kenntnis der Milieus, der Zielgruppen und der Verwendungssituationen. Ebenso wichtig sind aber „extrafunktionale“ Fähigkeiten und Motivationen, z.B. Interesse an den Teilnehmenden, Engagement für gesellschaftlichen Fortschritt, Neugier und Begeisterungsfähigkeit für die Thematik, auch eine aufmerksame „Gelassenheit“. Ein Thema wird nicht nur unterrichtet, sondern „verkörpert“, Lehrende motivieren andere durch ihre Identifikation mit der Thematik.

Die Gehirnforschung bestätigt, dass die Qualität des L. maßgeblich von der „Motiviertheit und Glaubhaftigkeit des Lehrenden“ geprägt wird (Roth 2003). Systemisch betrachtet ist L. ein „wirkungsunsicheres Handeln“ (Arnold 2007).

L. ist nicht nur eine Funktion des „Lehrpersonals“. In manchen Seminaren verfügen Teilnehmende über interessante Kenntnisse und Erfahrungen, so dass sich die Seminarleitung auf eine Moderation beschränken kann. Die Qualität eines Seminars kann auch daran gemessen werden, wie viel das pädagogische Personal von den Teilnehmenden lernt.

Literatur

  • Arnold, R.: Ich lerne, also bin ich. Eine systemisch-konstruktivistische Didaktik. Heidelberg 2007

  • Hunt, D.: Lehreranpassung „Reading und Flexing“. In: Claude, A. u.a. (Hrsg.): Sensibilisierung für Lehrverhalten. Bonn 1985

  • Kade, J.: Kursleiter und die Bildung Erwachsener. Bad Heilbrunn/Obb. 1989

  • Nuissl, E. (Hrsg.): Vom Lernen zum Lehren. Bielefeld 2006

  • Roth, G.: Warum sind Lehren und Lernen so schwierig? In: Report. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung, H. 3, 2003

  • Siebert, H.: Methoden für die Bildungsarbeit. Bielefeld 2008

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hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl
2. Aufl. 2010, 334 S., 29,90 €

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt